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27.10.2011, 13:45 Uhr

 

Castorf macht den Ring

BERLIN. Wim Wenders sprang ab. Das brachte die Leiterinnen der Bayreuther Wagner-Festspiele, Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, in Zugzwang. Jetzt ist der Regisseur für den Jubiläums-"Ring" gefunden: Frank Castorf.

 

Immerhin: Wagner hat er schon einmal inszeniert. Dennoch wird das eingeschworene Bayreuth-Publikum mit Frank Castorf als neuem "Ring"-Inszenator sicher erstmal fremdeln. Der sperrige Intendant der Berliner Volksbühne gilt als Theaterwüterich, Stücke-Zertrümmerer und Provokationsmaschine. Pathos und der hohe Ton sind seine Sache nicht. Castorfs wilder Regiestil wird die in feinen Roben mit Fernglas und Klavierauszug auf dem Schoß im Bayreuther Festspielhaus sitzenden Herrschaften möglicherweise erschrecken - und das ausgerechnet beim Jubiläums-"Ring" 2013, bei dem der 200. Geburtstag von Richard Wagner gefeiert wird.

Co-Festspielleiterin Katharina Wagner ist sich bewusst, dass ihre Entscheidung auch auf Kritik stoßen wird. "Man muss Castorf nicht mögen", sagte sie am Donnerstag, als sie in Berlin die Wahl des neuen "Ring"-Regisseurs bestätigte. Aber: "Er arbeitet handwerklich sauber", seine Inszenierungen seien sehr spannend - "ein Vollprofi". Castorf sei sich der Bedeutung bewusst, den Jubiläums-"Ring" zu inszenieren, sagte Wagner. Er habe zu ihr gesagt: "Ja, ich möchte es machen."

Bislang nicht viel Opernerfahrung

Sehr viel Opernerfahrung hat Castorf tatsächlich nicht. In Basel inszenierte er vor 13 Jahren Verdis "Othello". Im Jahr 2006 brachte er in Berlin Wagners "Meistersinger von Nürnberg" mit Schauspielern und einem "Chor der werktätigen Volksbühne" auf die Bühne - vermengt mit Textbrocken aus Ernst Tollers Revolutionsdrama "Masse - Mensch", einem mit der Maschinenpistole um sich feuernden Walther von Stolzing und einem kotzenden Trojanischen Pferd. Das "Orchester" bestand aus zwei Klavieren, Keyboard und fünf Bläsern. Das Motto des Abends: "Versuchsanordnung für Revolutionäre zwischen Schlachtfeld und Spielzimmer, Salon und Knast, Subvention und Subversion".

Mit Opern-Neulingen wie Christoph Schlingensief, Tankred Dorst und Werner Herzog hat Bayreuth schon einige Erfahrungen gemacht - nicht immer zum Gefallen der konservativen Wagner-Fans. Die alten Stücke sollen auch dem heutigen Menschen etwas sagen, lautet Castorfs Devise. Deshalb sind in seinen Inszenierungen, die zuletzt allerdings etwas glücklos waren, immer aktuelle Bezüge und reichlich Gesellschaftskritik zu finden. Auch bissige Ironie und rüpelnder Klamauk sind fester Bestandteil seiner Arbeiten. Als einer der ersten arbeitete Castorf mit Videokameras. Deren auf Leinwände projizierte Bilder lassen die Zuschauer das Geschehen aus ungewöhnlicher Perspektive erleben.

dpa/Foto: pa



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