Im Gespräch mit Ina Medick und Moritz Mihm erzählt Rainer Kober, Geschäftsführer des Keramikwerks in Steinwiesen bei Kronach, von der Bedeutung von Innovation für den
Mittelstand und gesellschaftlichem Engagement.
Frage: Herr Kober, Sie mussten nach der Beinahe-Insolvenz 1966 das komplette Unternehmen umkrempeln und haben eine neue Produktionssparte eingeführt.
Woher nahmen Sie die Idee?
Rainer Kober: Ein Unternehmen funktioniert nur, wenn man eine ordentliche Geschäftsidee hat. Wenn einem die wegbricht, muss man schauen: Was
sind meine Ressourcen? Wofür gibt es einen Markt? Wir haben als Allererste Porzellanartikel in durchsichtigen Geschenkverpackungen angeboten. Die waren alle gleich verpackt, mit roter
Umrandung und dem Schriftzug: „Funny Design“. Nach fünf Jahren haben wir damit fünf Millionen Mark umgesetzt.
Frage: Kann ein Studium auf so eine Arbeit überhaupt
vorbereiten?
Kober: Führungskräfte sollten sich folgende Fragen stellen: Wo will ich hin? Was brauche ich für Mittel und Werkzeuge? Es sollte die
Aufgabe der Universitäten sein, Menschen beizubringen, Antworten auf diese Fragen zu finden und sie umzusetzen. Denn in der Berufswelt lernt man es nicht. Es hat mich immer gewundert, dass
dieses sehr wichtige Praxiswissen in keinem Studium vorkommt. Stattdessen wird dieses Wissen häufig von Seminar-Unternehmern vermittelt.
Frage: Tut es einem Unternehmen gut, sich immer wieder neu zu erfinden?
Kober: Sich schnell anzupassen, ist eine im Mittelstand sehr verbreitete Fähigkeit. Das ist ein Vorteil großen Unternehmen gegenüber. Man
kann es mit einem Boot vergleichen: Je kleiner das Schiff, desto beweglicher und wendiger ist es. Als Mittelständler ist man geradezu dazu gezwungen, sich immer wieder neu zu erfinden.
Frage: Sie haben in einem Interview gesagt: „Politik kann nicht gestalten, Politik kann nur verwalten.“ Wie sehen Sie die Aufteilung von
gesellschaftlicher Verantwortung zwischen Politik und Unternehmen?
Kober: Als Privatperson können Sie nicht mehr aus ihrem Portemonnaie herausnehmen, als sie hineintun. Wenn Sie das tun, setzen Sie ihre Existenz aufs
Spiel. Für den Unternehmer gilt dasselbe. Der Politiker verwaltet Steuergelder, die er bekommt. Er sieht nicht die existenzielle Seite, vielleicht, weil er das nicht gewohnt ist. Wir
Unternehmer sind diejenigen, die gestalten.
Frage: Ist Ihr Gewissen der Antrieb für Ihr gesellschaftliches Engagement?
Kober: Der größte Beweggrund ist natürlich die Liebe zu meiner Heimat. Unser Hauptproblem ist, dass die Menschen eine Perspektive brauchen,
um initiativ zu werden. Es gibt hier wenig Selbstbewusstsein. Man neigt dazu zu sagen: „Hier in Oberfranken ist eh nichts los, und wir können eh nicht. Die Grenze war da und es ist
alles so schwer.“ Das ist falsch. Oberfranken ist eine gesegnete Region. Um das zu zeigen, gebe ich das Magazin „Echt Oberfranken!“ heraus. Schon das Cover des Heftes soll
ausstrahlen, dass Oberfranken toll ist. Es geht mir darum, die Leute aufzuwecken. Doch wie können wir das machen? Wir müssen dafür sorgen, dass diese Entwicklung eine Eigendynamik
bekommt und sich irgendwie multipliziert. Wie könnte das gehen? Ich werde persönlich initiativ, wenn ich eine Perspektive habe. Es nützt nichts, dass ich darüber theoretisch
referiere: Initiativen müssen ausstrahlen, was es hier Tolles gibt.
Frage: Geben Sie uns ein Beispiel.
Kober: Der Verein Kronach kreativ, dessen Vorsitzender ich bin, hat dieses Jahr zum achten Mal „Kronach leuchtet“ organisiert. Das ist eine
Lichtinstallation, für die 80.000 Menschen in nur einer Woche diese kleine Stadt Kronach besucht haben. Inzwischen machen die Kirchen gemeinsam eine lange Kirchennacht und die Museen
öffnen nächtelang. Auch der Forst hat dieses Jahr einen Rundgang im Wald erleuchtet. Alle sind begeistert. Die Leute identifizieren sich wieder mit ihrer Umgebung und fangen an, sich zu
engagieren.
Foto: red