11.09.2011, 11:21 Uhr
Der Kaiser hat Geburtstag – Franz Beckenbauer feiert an diesem Sonntag, den 11. September, seinen 66. Und er hält, wie zu lesen ist, gar nichts von der alten Udo-Jürgens-Weisheit: Mit 66 fängt das Leben erst an.
„Nichts als Augenwischerei“ sei das, so die deutsche Fußball-Koryphäe: „Tatsache ist, es zwickt hier, es zwickt da, alles tut weh. Dennoch versuche ich, jeden Tag zu genießen.“ Dies wolle er aber mit seinen kleinen Kindern tun und nicht in Form einer besonderen Rolle im Fußball, etwa als Fifa-Präsident. „Das kommt für mich nicht infrage. Später Vater ist besser als alternder Funktionär.“
Beckenbauer – nicht mehr wilder Kaiser, sondern neue Leitfigur der Vernunft? Der Mann, der in seinem Sport alle lohnenswerten Gipfel erklommen hat, wird selbst von vielen bewundert, für die Fußball nicht lebenswichtig ist. Da steht ein grau gewordener älterer Herr mit wettergegerbtem Gesicht vor der Kamera – und es brechen aus ihm Sprüche heraus, die verblüffen, erheitern oder auch Anlass geben, den Kopf zu schütteln. Unausgegorenes und richtig Kluges mischt sich da. Beckenbauers Offenherzigkeit verblüfft immer wieder. Das Internet, sagt er, sei „eher Fluch. Würde ich mich mit diesem ganzen Infozeug vollpumpen, wäre ich längst geisteskrank.“ Lachend werden ihm nicht nur Ältere beipflichten. Dem Kaiser hängen seine Fans an den Lippen. Wenn der nun ankündigt: Schluss jetzt, keine neue Karriere mehr, dann mag es sein Publikum kaum glauben.
Die Angst, ins Nichts zu plumpsen, veranlasst den einen oder anderen Berühmten zum Comeback-Versuch, der meist missglückt und nur noch wie ein müder Abklatsch vergangener, glanzvoller Zeiten daherkommt. Lebensabend, das altmodische Wort mag niemand in den Mund nehmen.
Den letzten Abschnitt möchten wir nicht zu Ende denken. Wir wollen uns ablenken lassen. Gerne auch vom alten Kaiser. Wir lieben seine unvergleichlichen, ergötzlichen Kommentare nach dem Spiel. Da steht kein Gelackter und Geschniegelter auf dem Rasen.
Dieser leidenschaftliche, erfrischende Sponti kann zwar nicht mehr verbergen, dass die Ära des Jung-Dynamischen weit hinter ihm liegt, aber er bleibt einfach eine Marke unter all den Austauschbaren. Wir nehmen ihn wahr wie den sympathischen Nachbarn, der uns Bedenkenswertes mit auf den Weg gibt. Da zappen wir gerne die nichtssagenden Wichtigtuer aus den überflüssigen Fernsehsendungen beiseite, die Problemwälzer, die uns nur in Schwermut stürzen. Wir huldigen lieber 66 Jahren Lebenserfahrung und wünschen, dass noch viele Jahre dazukommen. Alles Gute, Kaiser!
Foto: dpa
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