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23.08.2011, 13:00 Uhr

 

"Deutschland, Deutschland"

Von Lisa Roderer

CENTRALIA/BAYREUTH. Die Zeit verfliegt, die Sonne brennt immer noch vom Himmel, doch Achim Heukemes' Beine fühlen sich immer noch gut an. Und das, obwohl er schon 59 Tage, zuerst mit dem Fahrrad, dann zu Fuß, unterwegs ist.

 

Immer weiter geradeaus.
Immer weiter geradeaus.
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Immer weiter geradeaus.
Die Feuerwehrmänner aus Los Angeles haben ihr eigenes Projekt "Ride for 9/11".
Für sie war es eine Ehre, Achim Heukemes zu begegnen.
Die Besitzerinnen der "typisch amerikanischen Kneipe" waren sehr angetan von Heukemes.
Der junge Hund begleitete Heukemes einige Zeit.
Ein gemütlicher Abend in St. Louis mit den Feuerwehrmännern.
Schnell die Schuhe ausgezogen und mit Achim Heukemes mitgelaufen. Diese Chance wollten sich die Feuerwehrmänner nicht nehmen lassen.
Wenn die Sonne nicht herunterbrannte, Gewitter.
Selbst die Rinder suchten Schatten und versuchten, sich nicht zu bewegen.
„Ich schwitzte so, dass ich alle fünf Meilen meine Laufhose im Wohnmobil auswaschen musste, um einem Wundlaufen vorzubeugen“, berichtet Heukemes.
Der Besitzer des Campingplatzes in Oklahoma schenkte Heukemes eine Medaille der einheimischen Indianer.
Nur mit Eisbeutel und nassen Tüchern konnte er sich zeitweise abkühlen.
Ausnahmsweise mal ein netter Sheriff - mit Andrea.
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    Oklahoma zeigte sich zuerst von seiner milden Seite. Regen und Gewitter begleiteten Heukemes an seinem ersten Tag in diesem Bundesstaat. „Ich meinte zu Markus: Wetten, dass in spätestens zwei Stunden die Sonne wieder zum Vorschein kommt?“, erzählt Heukemes. Und er sollte Recht behalten, denn die Sonne kam zum Vorschein und die Temperaturen stiegen bald darauf wieder an.

Und so ging es immer weiter geradeaus, hinauf und hinunter. Nur die Rinder am Straßenrand der Route 60 sahen ihm nach. Und auch der nächste Tag auf der Route 60 wurde schließlich schwülheiß. „Ich schwitzte so, dass ich alle fünf Meilen meine Laufhose im Wohnmobil auswaschen musste, um einem Wundlaufen vorzubeugen“, berichtet er. Seine Begleiter Markus und Andrea versuchten Heukemes immer wieder zu motivieren. So lief Andrea auch einige Meilen mit, um sich dann geschafft wieder ins Wohnmobil setzen zu können, während Achim Heukemes sich nur kurz mit Obst, Müsli und Joghurt stärken konnte, um dann wieder auf die Strecke zu gehen.

Und die Temperaturen stiegen wieder schnell über die 30 °C-Marke. „Am Nachmittag war die Sonne dann so extrem, dass ich meinen geschundenen Körper inklusive Kopf mit einem Eisbeutel “runterfahren” musste – sonst Explosionsgefahr“, lacht Heukemes. Deshalb war er auch sehr froh, wieder auf einem Campingplatz Rast machen zu können. Markus und Andrea erzählten derweil dem Besitzer des Platzes von seinem Projekt. „Spontan überreichte der mir dann eine spezielle Medaille der einheimischen Indianer“, erzählt er stolz.

Die erste Hälfte geschafft

Kurz bevor Heukemes dann endlich an der Grenze zu Kansas anlangte, stellte die Gruppe fest, dass sie jetzt die Hälfte der Strecke hinter sich gebracht hatte. Kurze Freude, aber auch die Gewissheit, dass nun nochmal die gleiche Kilometeranzahl auf sie zukommen würde. Doch es blieb keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn der Kampf gegen die Sonne und Hitze musste weitergehen.

Kurz nach der Grenzüberquerung plötzlich Sirenengeheul. Ein Sheriff stoppt und kommt mit Schussweste auf Heukemes zu, der sich fragt: „Muss ich wieder in den Käfig?". Der Sheriff entpuppt sich jedoch als netter Zeitgenosse und lässt ihn nach ein paar Fragen zu seinem Befinden gleich weiterziehen. Das Wetter machte derweil auch dem Wohnmobil zu schaffen. „Die Klimaanlage ist schon seit Tagen überfordert“, berichtet Heukemes.

Die Sonne kennt kein Erbarmen

In der Nähe vom Joplin, Missouri, dann wieder eine Rastpause. Joplin selbst war im Mai erst von einem Tornado heimgesucht und verwüstet worden. Am nächsten Tag ging es dann weiter auf der heißen Etappe. „Während einer längeren Gehpause sah ich links von mir meine Freunde, die Rindviecher. Und ich hätte mich so gern zu ihnen gelegt“, erzählt Heukemes. Keine einzige Wolke am Himmel und seit über 30 Tagen extreme Hitze. „Meine mentale Stärke war von 1,78 Meter auf 20 Zentimeter geschrumpft“, sagt Heukemes. So fragte er sich auch, ob er wohl wie Moses 40 Tage lang leiden müsse. Doch es blieb kaum Zeit darüber nachzudenken, denn wie aus dem Nichts ein Ruf: „Läufst du nach New York?“ und Heukemes war von drei Radfahrern umgeben. „Sofort war ich wieder 1,78 Meter groß und war wieder voller positiver Energie.“ Es waren Feuerwehrmänner aus Los Angeles, die ebenfalls eine Tour zum Gedenken der Opfer von 9/11 vorhaben.

Markus und Andrea machten, während Achim noch auf der Strecke war, eine Pause in einer typischen amerikanischen Kneipe und unterhielten sich mit den Besitzern. Als Heukemes schließlich bei ihnen ankam, stimmte auch er zur Überraschung zu, dort eine Pause einzulegen. „Wir machten ein paar tolle Fotos und unterhielten uns mit den Leuten. Besonders die Tochter der Besitzer war mächtig begeistert und beeindruckt von mir“, lacht Heukemes. In St. Louis angekommen, schickten die Feuerwehrmänner eine SMS und baten um ein Treffen. Und so kam es, dass sie alle gemeinsam Abendessen gingen und hundemüde ins Bett fielen.

Gut im Plan

Die Grenze zum Bundesstaat Illinois überquert, folgte wiedermal eine Überraschung. Hinter Heukemes ein lautes Rufen „Deutschland, Deutschland!“ Die Feuerwehrmänner kamen wieder auf ihren Fahrrädern an und zogen ihre Radschuhe aus, um einige hundert Meter mitzulaufen.

Noch 19 Tage bis zum 11. September. Heukemes liegt gut im Zeitplan und hofft, ohne weitere Blessuren, als einem Sonnenbrand am Ground Zero einzulaufen.


Fotos: red



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