18.08.2011, 09:51 Uhr
BAYREUTH. Ein Bayreuther Sommer ohne Wagner? Unvorstellbar! Ein Sommer ohne Richard-Wagner-Museum? Eigentlich auch. Und doch bleibt Haus Wahnfried heuer und wohl auch in den kommenden eineinhalb Jahren geschlossen.
Hinter den Kulissen wird derzeit emsig an der Finanzierung des rund 15 Millionen Euro teuren Vorhabens gearbeitet. Die Stadt und der Freistaat haben ihre Finanzierungszusagen bereits erteilt, die des Bundes freilich steht noch aus. Sie gilt als wahrscheinlich, liegt aber noch nicht vor. Im Herbst, heißt es aus Berlin, soll es endlich so weit sein.
Weil aber Kulturvorhaben dieser Größenordnung nicht alleine über die öffentliche Hand finanziert werden können, arbeiten Museumsdirektor Sven Friedrich und Julia Weigold, im Museum zuständig für Marketing und Sponsoring, an einer Reihe von Konzepten, um sowohl Großunternehmen als auch Kleinspender die richtigen Angebote machen zu können. Friedrich auf die Frage, wie viel Geld über diesen Weg eingeholt werden könne: „Die Sponsoring-Experten der Actori GmbH aus München haben uns gesagt, dass man über Spenden und Sponsoring maximal eine Million Euro erzielen könnte.“
Und das sind die Programme, die zur dreiteiligen Kampagne „wahren. schaffen. erleben“ von Weigold und Friedrich aufgelegt wurden:
ä Persönliche Note: Möglichst viele Wagnerfreunde sollen eine oder mehrere „persönliche Noten“ für einen Betrag zwischen fünf und 200 Euro stiften. So soll nach und nach die Partitur der „Götterdämmerung“ vervollständigt werden. Geplant ist, die Spender in einer 3-D-Installation zu verewigen. Gemeinsam mit der Universität Bayreuth soll auch auf der Webseite eine interaktive Partitur aufgelegt werden. Vielleicht kann man dann dort auch „seine“ Note hören.
ä Patronatsscheine: Richard Wagner selbst hat mitten in der Börsengründungsphase Patronatsscheine zur Finanzierung seines Theaters ausgegeben. Das soll jetzt wiederholt werden. Die neue Auflage der Patronatsscheine zur Sanierung und Erweiterung des Wagnermuseums sollen für 5000 Euro verkauft werden.
ä Angebote für Großspender und Unternehmen: Das Museum bietet auch Patenschaften für gezielte Sanierungsvorhaben an, die dann mit den Spendernamen gewürdigt werden. So kann man, für jeweils 10 000 Euro, die Sanierung des historischen Gartenensembles, die Herstellung der Barrierefreiheit im Haus Wahnfried oder die Klimatisierung des Hauses Wahnfried übernehmen. Je 50 000 Euro kostet laut Museum die Sanierung der Halle und des Großen Saales. Und wer die Restaurierung der Wagner-Bibliothek übernehmen will, ist mit 100 000 Euro dabei.
ä Neubaubereich: Auch für Projekte im Neubau werden noch Sponsoren gesucht. Nachfolgend ein paar Beispiele, wie sich Unternehmen einbringen können: Museumscafé, Museumsshop, Empfangsbereich (je 50 000 Euro), Sonderausstellungshalle (150 000 Euro), Seminar- und Medienraum (100 000 Euro), Treppen, Säulen, Lichter (je 2000 Euro).
ä Einzelobjekte: Laut Friedrich können Spender auch die Sanierung von Einzelobjekten – etwa Möbeln – übernehmen.
Friedrich über seine Sponsoringideen: „Wir wollen für jeden Spender das richtige Angebot machen.“ Außerdem soll ein neues Museumsnetzwerk geschaffen und dadurch auch die Bevölkerung insgesamt für Wahnfried gewonnen werden. Julia Weigold zur Machbarkeit ihrer Pläne: „Wenn jeder Wagnerianer nur einen Euro spenden würde, hätten wir unser Ziel schon erreicht.“
Friedrich setzt nun darauf, dass spätestens im November der Spatenstich für das Museumsgroßprojekt erfolgt. Sonst dürfte der Traum, das neue Wahnfried im Jubiläumsjahr 2013 zu eröffnen, wohl bald schon ausgeträumt sein.
INFO Mehr zur Spendenaktion unter www.wagnermuseum.de
Foto: Meier
Dies ist eine Nachricht aus unserem Archiv.
Es können daher keine neuen Kommentare verfasst werden.