17.08.2011, 15:30 Uhr
Von Udo Fürst
REGENSBURG. Seit 2009 gilt in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention. Unter dem Begriff „Inklusion“ regelt sie verbindlich: Kein Kind darf wegen seiner Behinderung vom Besuch der allgemeinen Schule ausgeschlossen werden. Die Realität sieht allerdings – noch – anders aus.
Von den bayerischen Grundschülern mit Förderbedarf lernen nur 23 Prozent gemeinsam mit anderen Kindern. Bundesweit sind es immerhin knapp 34 Prozent. Für individuelle Förderung ist an den Grundschulen in der Regel kein Platz. Denn selbst, wenn die Lehrkräfte bemüht sind – der Lehrplan ist straff und für spezielle Förderangebote fehlt es an Zeit, Geld und Personal. Kinder, die für das eine oder andere Fach einfach noch etwas mehr Zeit oder Hilfe bräuchten, haben Pech gehabt. Davon sind Kinder mit Behinderungen natürlich besonders betroffen.
Dies soll sich nun ändern: Das bayerische Kultusministerium folgt in einem ersten Schritt der UN-Konvention und hat 41 Schulen mit dem Profil „Inklusion“ benannt, darunter vier Schulen in der Oberpfalz. Dort aber regt sich Kritik an der Standortverteilung der Inklusionsschulen.
"Pech gehabt"
Ausgewählt wurden die Regensburger Konrad-Grundschule, die Johann-Michael-Sailer-Schule in Barbing sowie die Tirschenreuther Marienschule und die Theobald-Schrems-Grundschule in Mitterteich. „Die Schüler aus Neumarkt, Cham, Amberg, Weiden und Schwandorf haben wohl einfach Pech gehabt“, moniert Sascha Schneider vom Verein „Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen“ (GLGL) Regensburg. Auch die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild (SPD) hält die Verteilung mit je zwei Inklusionsschulen im Süden und im Norden der Oberpfalz nicht für optimal.
Regierungsschuldirektor Werner Bayer von der Regierung der Oberpfalz erklärt, dass grundsätzlich Schulen in allen sieben Schulamtsbezirken für das Inklusionsprofil in Frage gekommen wären. Dass die Entscheidung auf die je zwei Schulen im Norden und im Süden fiel, sei auf eine Kombination verschiedenster Faktoren zurückzuführen.
Neben der Erfahrung der Schulen mit behinderten Kindern habe beispielsweise auch die örtliche Nähe zu einem Förderzentrum eine Rolle gespielt.
Foto: dpa
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