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13.08.2011, 14:24 Uhr

 

Trauriges Ende eines Freundes

Mirko schwingt fleißig die Kelle, die Mauern für das kleine Haus seines Nachbarn Mato wachsen zusehends empor.

 

Mato kommt kaum nach, Ziegelsteine heranzuschleppen, und Miroslav rührt eifrig Mörtel an. Von dem in Deutschland hart verdienten Geld entsteht eine Wohnung für hoffentlich viele angenehme Ruhestandstage.

Lebenskünstler Mirko verdingt sich als Gelegenheitsarbeiter. Deutsch spricht er mit österreichischem Akzent; denn er hat jahrelang in Wien gelebt. Für ihn wird es aber nichts mit der üblichen Gastarbeiter-Karriere: Sparen für eine bessere Zukunft zu Hause.

Seine Schwäche für Hochprozentiges zerstört alles. Seine Ehe mit einem serbischen Mädchen zerbricht. Er, der Kroate, sieht seine Tochter nicht mehr. Ein Unfall, bei dem er angetrunken am Steuer des Firmenlastwagens sitzt, kostet ihn den Job. Er kehrt heim und schlägt sich so durch. Arbeit findet einer wie er – mit geschickten Händen – auf den vielen Baustellen immer. Es bleibt aber viel Zeit, um mit Freunden im Gasthaus zu trinken.

Dann kommt plötzlich der Krieg. Aus den Nachbardörfern wird die Stadt mit Artillerie angegriffen, und Mirko lässt die Kelle fallen, um zum Gewehr zu greifen. Mit einem beschlagnahmten alten Golf schafft er Munition aus der örtlichen Kaserne weg, deren jugoslawischer Kommandant aufgegeben hat, nachdem ihm die Kroaten Wasser und Strom gesperrt hatten.

Desperados wie Mirko harren im umkämpften Gebiet aus. Viele fallen, er aber überlebt. Der neue Staat, den er mit erkämpft hat, zahlt ihm eine Rente, die er monatlich in Alkohol umsetzt. Der Freund aus Deutschland erlebt seinen Verfall mit und verzweifelt. Ein junger, intelligenter Mann, mit dem sich immer kluge Gespräche führen lassen, macht sich selber kaputt, und niemandem gelingt es, den verhängnisvollen Verlauf zu stoppen. Was hätte aus Mirko werden können? Einem Sprachbegabten wäre eine schöne Karriere möglich gewesen. Seine angenehme Art zeugt von hoher sozialer Kompetenz. Die Leute mögen ihn, seine Nichte liebt ihn, aber er taumelt in den Abgrund.

Irgendwann kommt die erschütternde Nachricht, Mirko sei erfroren, in seinem Häuschen, das er sich von seiner Kriegsentschädigung gebaut hatte. Darin wohnte er allein. Im Winter war er nachts betrunken heimgekommen, hatte kein Feuer gemacht, vielleicht weil er kein Heizmaterial hatte.

In der entscheidenden Stunde war niemand für ihn da. Er wollte allerdings niemandem zur Last fallen. Freunde, die heitere Stunden mit ihm verbrachten, hätten ihm so sehr ein Happy End gewünscht.

elmar.schatz@rnt.tmt.de

Foto: dpa




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