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03.08.2011, 23:00 Uhr

 

"Are you crazy?"

Von Lisa Roderer

GRANTS/BAYREUTH. Achim Heukemes hat es aufgegeben, immer in der Nacht zu laufen und steigt wieder langsam auf den Tag um. Während ihm die Sonne von oben immer wieder schwer zusetzt, muss er auch schon ein neues Paar Laufschuhe tragen, da er die ersten durchgelaufen hat.

 

Eine Begegnung mit einem Sheriff endete damit, dass Heukemes im Polizeiauto mitfahren musste.
Eine Begegnung mit einem Sheriff endete damit, dass Heukemes im Polizeiauto mitfahren musste.
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Eine Begegnung mit einem Sheriff endete damit, dass Heukemes im Polizeiauto mitfahren musste.
Kilometerlange Züge waren zeitweise das Einzige, das er sah.
Willkommen im Land der Navajo-Indianer.
Endlich Regen! Heukemes führte prompt einen Freudentanz auf.
In der Nacht blieben die Fotomotive leider aus.
Die Hölle kommt! Die Hitze war auf jeden Fall schonmal da.
Andrea begleitete Heukemes zwischenzeitlich. Dann stoppten wieder Autofahrer und fragten ihn: "Are you crazy?!"
Ein Stück Schweden in den USA. Überall Bäume. Wo kommen die denn her?
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Achim Heukemes hat seinen Laufrhythmus inzwischen komplett auf die Nacht umgestellt, aber das bringt nicht die erwünschte Abkühlung mit sich. Stattdessen wird es gefährlicher. Vor zwei Wochen wurde er von einem Wolf verfolgt, diesmal heulen die Coyoten mitten in der dunklen Wüste. „Das ist natürlich nicht ganz ungefährlich, da Coyoten-Eltern mit Sicherheit ihren Nachwuchs beschützen wollen“, erzählt Heukemes. Und so war er sehr froh, als ihn seine beiden Begleiter im Wohnmobil endlich eingeholt hatten und mit ihren Scheinwerfern die Tiere verscheuchten. Während der Morgen graute und die Sonne langsam wieder begann aufzugehen, schnürte auch Andrea wieder ihre Laufschuhe, um Heukemes zu unterstützen. Als es schließlich wieder sehr heiß wurde, stoppten regelmäßig Autofahrer an und boten ihm mit den Worten „Are you crazy?!“ (Deutsch: Bist du verrückt?) Wasser an.

Die nächsten Nächte verliefen eher unspektakulär. Stetig warme Luft, wenig zu sehen, keine Begegnungen. Deshalb stieg Achim Heukemes auch wieder auf das Laufen bei Tag um. Der Weg nach Flagstaff führte ihn in der Nacht bei moderaten Temperaturen eine kurvige Bergstraße hinauf. Bei 2.300 Höhenmetern bot sich ihm dann schließlich ein tolles Bild. „So langsam brach der Tag an. Dieser gab mir den Blick in ein wunderschönes Tal frei, welches rund zwölf Kilometer „unter“ mir lag“, berichtet Heukemes. Und Zeit ein paar Schnappschüsse zu machen war auch noch. Auf dem Weg ins Tal dann eine kleine Überraschung. „Ich traute meinen Augen kaum, waren doch 4 Radfahrer auf meiner Route unterwegs“,sagt er und lacht.

Ein Freudentanz im Regen

Endlich am Fuß des Berges angekommen, wurde die Hitze wieder unerträglich. Aber ein Highlight der Strecke wollte er sich nicht entgehen lassen: die Red Rocks von Sedona. Und so lief er immer weiter. Kurz vor Flagstaff geschah etwas, worauf Heukemes schon seit Beginn der Lauftour gewartet hatte: „Es fielen keine Steine vom Himmel, sondern dicke, fette Wassertropfen.“ Die Freude war bei allen groß und Heukemes führte einen wahren Freudentanz im Regen auf.

Die Temperaturen fielen am nächsten Tag dementsprechend kühler aus und so ging es für Achim Heukemes schneller voran. Er konnte endlich statt der üblichen 6,5 Kilometer schon 10 Kilometer pro Stunde zurücklegen. Im Tal der Navajo Indianer jedoch wurde die Freude über das bisherige Vorankommen getrübt. „Die Sonne Arizonas ließ die Temperaturen schlagartig auf über 30 °C klettern und ich wurde gezwungen mein Lauftempo zu reduzieren“, erzählt er. Dennoch erfüllte er sein Tagespensum von circa 90 Kilometern und erreichte den „Meteor Crater“. „Dort ist vor gut 50.000 Jahren ein Meteorit eingeschlagen und hinterließ ein “kleines” Loch von etwa 1,5 Kilometern Durchmesser und rund 200 Metern Tiefe.“

Abenteuer auf der Autobahn

Die nächste Etappe gestaltete sich schwieriger als zuerst angenommen. Entweder auf der Autobahn oder einer Straße die nicht geteert wurde und durch den Regen stark aufgeweicht war. Letzteres wäre für Heukemes zwar mit Gummistiefeln noch machbar gewesen, für sein Team im Wohnmobil allerdings unmöglich. Also kurz bei einer Tankstelle nachgefragt. „Zu unser aller Verwunderung bejahte er die Frage und meinte, dass das kein Problem sei, egal ob mit Fahrrad oder zu Fuß, es ist erlaubt“, erzählt er. Gesagt, getan. So lief Heukemes schließlich auf dem Standstreifen der Autobahn, sein Team fuhr derweil schon einmal ein paar Meilen voraus. Doch kaum allein, ertönte eine „unbekannte Hupe, Sirenengeheul und Blaulichtgewitter“ und er durfte Bekanntschaft mit einem Sheriff machen. „Er stieg aus, rechte Hand an seinem Colt und befahl mit lauter Stimme: No run!“ Und da er Heukemes Erklärungen nicht verstehen wollte oder konnte, durfte dieser erst einmal im Käfig des Streifenwagens Platz nehmen, während ihn der Sheriff zu seinem Team fuhr. „Andrea und Markus staunten ganz schön, als ich aus meinem „Taxi“ ausstieg“, berichtet Heukemes. Die konnten den Sheriff jedoch beruhigen und ihm von Achims Projekt berichten. Daraufhin wünschte er ihm nur noch „einen guten Run nach New York“. Anschließend lief Heukemes lieber wieder abseits der Autobahn.

Schweden liegt in den USA

Am nächsten Tag fühlte sich Heukemes plötzlich an seinen Europalauf 2009 erinnert. „Die ganze Landschaft um mich herum bestand so gut wie nur aus Bäumen“, berichtet Heukemes. Und deshalb fühlte er sich sehr an IKEA bzw. Schweden erinnert. Allerdings passierte an diesem Tag auch sonst nichts spekatkuläres mehr und so konnte er bei moderaten Temperaturen sein Tagespensum abarbeiten.

Irgendwo in New Mexiko hat er nun circa 1.300 Kilometer hinter sich gelassen und packt sein nächstes Paar Laufschuhe aus. Das Alte hat er in den letzten zwei Wochen durchgelaufen. Und seine Hoffnung bleibt ungetrübt, Ground Zero pünktlich zum 11. September zu erreichen. Nur auf die Sonne und die Hitze könnte er gerne verzichten: „Was nützt eine tolle Bräune, wenn ich nachher in New York ankomme und aussehe wie ein Faltkarton?“, lacht er.




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