02.08.2011, 23:00 Uhr
Von Stefan Schreibelmayer
KULMBACH. Es ist der größte Einzelauftrag in der mittlerweile fast 20-jährigen Geschichte der Kulmbacher Markendesign- und PR-Agentur Designhouse. Doch nicht nur deshalb ist er außergewöhnlich. Inhaber Wolfgang Judas und sein Team haben nämlich gerade den Markenauftritt der Rogers Corporation in den USA neu gestaltet. Die Beteiligungs-Holding ist eines der zehn ältesten an der Wall Street notierten Unternehmen.
Doch wie kommt eine Agentur, die aus Sicht der Metropolen und erst recht aus dem Blickwinkel USA, „irgendwo“ in der fränkischen Provinz sitzt, an einen solchen Auftrag? Unverhofft kommt oft – so könnte man es umschreiben, auch wenn Wolfgang Judas auf die Feststellung Wert legt, dass letztlich Qualität und Leistung den Ausschlag gaben.
Begonnen hat die Geschichte vor rund einem Jahr, als die Firma Curamik mit Designhouse Kontakt aufnahm, um den eigenen Markenauftritt neu gestalten zu lassen. Das Unternehmen mit gut 600 Mitarbeitern produziert in Eschenbach in der Oberpfalz keramische Leiterplatten und gehört auf diesem Gebiet zu den Weltmarktführern. So weit, so gut – Auftrag trotz großen Zeitdrucks zur Zufriedenheit von Curamic erledigt.
Design-Sammelsurium geordnet
Im Januar kam dann Rogers ins Spiel, eine Holding mit Sitz in Connecticut, die sich weltweit an innovativen Unternehmen beteiligt oder diese übernimmt. Die Amerikaner übernahmen Curamic für mehr als 110 Millionen Euro von einem österreichischen Unternehmen und waren nicht nur von ihrem neuen Unternehmen, sondern auch von dessen Markenauftritt begeistert. Und so meldete sich kurz darauf Rogers-Marketingchefin Brenna Larson bei Judas, mit dem Auftrag, nun auch die Marke des großen Konzerns neu zu gestalten. Zuvor habe es bis auf ein gemeinsames Logo bei Rogers ein Design-Sammelsurium gegeben.
Eine große Herausforderung, die die Kulmbacher da annahmen. Denn, so Judas: „Wir mussten ja unter anderem die Leitlinien für die Marke weltweit entwerfen.“ Rogers ist in den USA, Europa und Asien aktiv. „Da sind die Geschmäcker schon sehr unterschiedlich.“ Entsprechend habe die Abstimmung auch etwas Zeit in Anspruch genommen. Ihm sei es darum gegangen, die Tradition des 1832 gegründeten Konzerns und zugleich seine innovative Ausrichtung in Einklang zu bringen. Von Februar bis vor wenigen Tagen nahm der Prozess in Anspruch, ist mittlerweile abgeschlossen. Nun kann Rogers das neue Markenbild den vielen Agenturen an die Hand geben, mit denen der Konzern in den verschiedenen Regionen der Welt zusammenarbeitet. Und die wiederum können sich künftig innerhalb der Leitlinien bewegen, die in Kulmbach entwickelt wurden.
Dimension: Neuland
Zwar ist der Rogers-Auftrag für seine Agentur „in dieser Dimension Neuland“, sagt Judas. Doch Erfahrungen mit großen Unternehmen hat er zur Genüge. Zu seinen rund 150 festen Kunden gehört zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS oder die Silvia Quandt Research, eine der Top-Adressen im Kapitalmarktgeschäft für deutsche Mittelständler und Bestandteil des Firmengeflechts der Milliardärsfamilie Quandt. Großkunden, die auch auf Empfehlung kommen – Designhouse hat in der Finanzwelt einen Namen.
Zugleich aber legt Judas, der in Gefrees geboren wurde und in Bayreuth lebt, Wert auf regionale Verankerung – seine eigene und die der Agentur, die je 15 feste und freie Mitarbeiter beschäftigt. Denn auch in Oberfranken hat er namhafte Kunden. Medi, Ireks oder Lauenstein sind da Beispiele. Gerade in der zunehmend globalisierten Welt würden Werte wie Heimat wieder wichtig, ist Judas überzeugt. Dass er mit dem Auftrag für Rogers sein bisheriges Hauptgebiet – Deutschland und das deutschsprachige Ausland – deutlich erweitert hat, ist für ihn kein Widerspruch. „Oberfranken bleibt unser Sitz und Kerngebiet, und auch im deutschsprachigen Raum fühlen wir uns daheim. Aber das Tolle ist: Man kann heute in der Heimat sitzen und trotzdem global Business betreiben.“
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