01.08.2011, 16:21 Uhr
Von Frank Schmälzle
BAYREUTH. 27 Jahre währte ihr Dornröschenschlaf. Der Prinz, der sie wachküsste, heißt Peter Leonhardt und ist im wahren Leben Geschäftsführer der Hospitalstiftung.
„Es war der pure Zufall“, erzählt Peter Leonhardt. Als er alte Akten aus den Zeiten seiner Vorgänger durchblätterte, fiel ihm ein Vorgang in die Hände, der ihn
stutzen ließ. Ein handschriftlicher Vermerk des damaligen Oberbürgermeister Hans Walter Wild war Leonhardt besonders aufgefallen: „Die Verfügung über diese Mittel
behalte ich mir vor“, hatte Wild notiert. Leonhardt sah genauer hin und fand: eine vergessene und unter die Räder der Verwaltung gekommene Stiftung.
Am 16. Oktober 1984 hatte Alois Lill, wohnhaft Am Schwarzen Steg 7 in Bayreuth, die Niederschrift seiner Stiftung unterzeichnet. „Ich überlasse beiliegendes Sparbuch der Stadt Bayreuth in der Rechtsform einer fiduziarischen Stiftung. Der derzeitige Bestand des Kontos beläuft sich auf 80.395,12 DM“, heißt es in dem Dokument. Und an anderer Stelle: „ Für den Fall meines Ablebens ist die Stadt verpflichtet, die Mittel für einen sozialen Zweck wie etwa behinderte Kinder oder bedürftige Senioren zu verwenden.“ Nur acht Monate, nachdem er seine Stiftung errichtet hatte, starb Alois Lill.
Kann ja mal passieren
Peter Leonhardts detektivisches Interesse war geweckt und tatsächlich: Ausgaben im Sinne des Stiftungszwecks habe er nicht nachvollziehen können, „das Geld ging wohl in den
laufenden Betrieb der Stadt und wurde ausgegeben“. Streng genommen ist das ein Verstoß gegen das Bayerische Stiftungsgesetz, nach dem das Grundstockvermögen nicht angetastet
werden darf. Ein Fehler, zweifellos, der im täglichen Trubel aber passieren kann, meint Leonhardt. „Ganz bestimmt keine böse Absicht.“ Der Geschäftsführer der
Hospitalstiftung, in dessen Verantwortungsbereich auch die Verwaltung weiterer Stiftungen an die Stadt fällt, machte den Deckel der Akte „Alois Lill“ nicht einfach wieder zu. Es
galt gerade zu rücken und zu heilen, was da mit der Alois Lill-Stiftung geschehen war.
Zunächst der Hauptausschuss der Stadt Bayreuth, dann auch der Stadtrat befassten sich mit der vergessenen Stiftung. Jetzt hat die Alois Lill-Stiftung Hand und Fuß. Aus dem städtischen Haushalt 2011 flossen 50.000 Euro in die Neueinrichtung. Mit 44.284,72 Euro ersetzt die Stadt das abhanden gekommene Grundstockvermögen, die Differenz auf die glatte Summe sieht man im Rathaus als Ausgleich für die Verzinsung an. Bei der Stiftungsaufsicht der Regierung von Oberfranken hat man mit diesem Vorgehen kein Problem.
Foto: red
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