30.07.2011, 11:50 Uhr
Von Gert-Dieter Meier
BAYREUTH. Sie tragen Wagner im Herzen und ein Doppel-F am Revers: Zwei Tage nach der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth (GdF) hat auch das Team aktiver Festspielförderer (Taff) zur Mitgliederversammlung in Bayreuth geladen.
Ein Risiko
Zur vieldiskutierten „Tannhäuser“-Inszenierung merkte Katharina Wagner an, dass „auch wir beide im Büro noch viel darüber diskutieren und nachdenken“. Wofür Katharina Wagner den über 50 Mitgliedern ausdrücklich dankte: „Dass sie nicht der Verein sind, der uns für die Inszenierungen gute Ratschläge gibt.“ Die geplante Verpflichtung von Frank Castorf für den „Ring“ begründete Wagner damit, dass man zum einen einen guten Handwerker, zum anderen – auch mit Blick auf die kurze zur Verfügung stehende Zeit – einen erfahrenen und kreativen Theatermacher gesucht habe. Castorf erfülle nicht nur beide Bedingungen, er befinde sich zudem in einer Phase „neuer künstlerischer Impulse“. Davon hätte sich die Festspielleitung zuletzt in Berlin überzeugen können. Allerdings wisse sie auch, dass diese Verpflichtung auch schiefgehen könne: „Dass das ein Risiko ist, wissen wir. Auch Baumgarten war, obwohl ebenfalls ein guter Handwerker, ein Risiko. Abgesehen davon kann jede Inszenierung in die Hose gehen. Da spreche ich aus eigener Erfahrung“, sagte Wagner, die ihren Angaben zufolge „waschkörbeweise“ Vorschläge für den „Ring 2013“ bekommen habe: „Das war sehr nett – aber Gott sei Dank können wir uns noch selber helfen.“
Welche Wünsche sie an den Verein Taff habe, wurden die Wagners gefragt. Katharina Wagners augenzwinkernde Antwort: „Dass sie sich ordentlich vermehren!“ Als Alleinstellungsmerkmal machte die 33-Jährige aus, dass Taff große Anstrengungen unternehme, um die Kommunikation zwischen Künstlern, Besuchern und der Festspielleitung zu verbessern und somit für eine gute Festspielatmosphäre zu sorgen. Und die habe Bayreuth schon immer ausgezeichnet. Taff sponsert beispielsweise Künstlerempfänge und richtet ein Fest für alle Mitwirkenden aus. Außerdem hat die Vereinigung, die nach Angaben des Taff-Vorsitzenden Peter Maisel zwischenzeitlich rund 350 Mitglieder aus aller Welt zähle, ein neues Ticketingsystem installiert, das zwischen 200 000 und 300 000 Euro kosten würde, wenn es nicht gesponsert wäre. Zusammengefasst lassen sich die Ziele des Vereins so darstellen: „Taff will konkret und unbürokratisch helfen“, sagte Maisel. Und was bekommen die Mitglieder dafür? Zwar – im Unterschied zur Gesellschaft der Freunde von Bayreuth – kein eigenes Kartenkontingent, dafür aber „exklusive Einblicke“, wie Maisel ausführte. Mal können die Taff-Mitglieder bei Orchesterproben teilnehmen, mal einen der begehrten Bühnenplätze beim „Tannhäuser“ in Beschlag nehmen. Sie erhalten Zugang zu den Künstlerempfängen und kommen so ganz nah ran an die Festspiele und ihre Mitwirkenden.
Katharina Wagner stellte auf Nachfrage klar, dass sie und ihre Schwester zwar Taff unterstützen, wo immer das geht, dass sie aber auch nicht müde werden zu betonen, dass „in Bayreuth Platz für beide Vereine“ sei. Um so mehr, als beide Fördervereine eine höchst unterschiedliche Konzeption hätten. Das betonte auch Karl-Gerhard Schmidt, der Mitglied bei Taff und Ehrenmitglied bei der GdF (über 5300 Mitglieder) ist: „Für die Festspiele ist es wichtig, dass alle Kräfte, die Bayreuth unterstützen wollen, geweckt werden.“ Taff-Boss Peter Maisel sieht das ähnlich. Weltweit, betonte er, sollte es noch ein Potenzial von weiteren 5000 Bayreuth-Mäzenen geben. Cornelius Sturm argumentierte in dieselbe Richtung: „Bayreuth ist bestens aufgestellt. Aber das muss keine Selbstverständlichkeit für alle Ewigkeit sein. Die Hauptsache ist doch, das Haus langfristig zu schützen und zu unterstützen.“
Natürlich muss Taff derzeit noch viel kleinere Brötchen backen als die Konkurrenz. Während die 1949 gegründete GdF gut acht Millionen Euro auf der hohen Kante hat, weist die Taff-Kasse nach rund eineinhalb Jahren – der Verein wurde im August 2010 gegründet – knapp 62 000 Euro auf, wie Kassier Markus Spona ausführte. Immerhin sind bislang schon knapp 35 000 Euro an Spenden eingegangen.
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