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26.07.2011, 15:00 Uhr

 

Pressestimmen zur Tannhäuser-Premiere

Von Lisa Roderer

BAYREUTH. Sebastian Baumgartens Neuinszenierung des "Tannhäuser" feierte am Montag seine Premiere. Die Kritiken fallen allerdings sehr verhalten aus.

 

Schon kurze Zeit nachdem die Premiere des neuinszenierten Tannhäuser zu Ende ging, war über die Agentur dpa zu lesen, dass die Aufführung „knapp an einem veritablen Opernskandal“ vorbei geschrammt sei. Auch andere bisher erschienene Kritiken sind von der Inszenierung nicht unbedingt angetan.

Verriss der Inszenierung

Dass „das verwöhnte Publikum auf dem Grünen Hügel“ mit der Neuinterpretation der Oper nichts anzufangen wusste, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Damit meinen sie vor allem das Biogas, das zur Herstellung von Nahrung verwendet wird, aus menschlichem Abfall entsteht. Laut Baumgarten, spiegelt das die Vorgänge in der Wartburg wider. Aber auch das Bühnenkonstrukt als solches kam bei den Kritiken nicht unbedingt gut weg. So vergleicht ein Redakteur des Focus den Venusberg mit einem „Gefängnis, das von Puppen in Spermakostümen umtanzt wurde“.

Spiegel Online findet: „Die Welt wirkt als Natur-Maschine, von der Zellteilung bis zur Erlösung. Herzschläge, durchleuchtete Knochen, Insekten und Zellen wabern über der Bühnen-Fabrik, da mutet es fast schon logisch an, dass hier Wartburg und Venusberg ein gemeinsamer Organismus auf verschiedenen Ebenen sind.“ Doch nicht alles kommt gut weg. Die Pilger in „ihren schlumpfigen Wichtelkostümen“ wirken platt.

„Praktisch tot“ ist Tannhäuser allerdings für die Bild, als er statt nach Rom zur Buße von Baumgarten in die Tiefkühlkammer geschickt wird. „Dieses Konzept forderte viel von den Zuschauern, vielen war es zu kompliziert.“

Die Quittung für die Inszenierung von Baumgarten kam am Ende des Stückes als der Vorhang gefallen war. Der Westen berichtet von einem „Buh-Konzert wie lautes Wehgeschrei, das man wohl so übersetzen darf: Schon wieder ein tragischer Fehlgriff, der Wagner-Pilger für Jahre an eine schwache Deutung binden wird.“

Wie man die Aufführung besser hätte machen können, berichtet das englische Onlineportal Bloomberg: „Elisabeths Szenen mit Wolfram, dessen Teil mit Leidenschaft und Kraft von Michael Nagy gesungen wurde, haben wesentlich mehr Schärfe und sogar einigen Humor. Mehr von beiden hätte geholfen, den Abend zu erhellen.“ Die Interpretation der Wartburg hingegen wirkt auf das englische Publikum jedoch „sehr deutsch“, da sie eher zweckmäßig gehalten ist.

Sänger überwiegend gelobt

Die Meinung zu den Sängern des Tannhäuser ist ebenfalls eher verhalten. Der diesjährige Tannhäuser Lars Clevman wird den hohen Ansprüchen der Süddeutschen Zeitung kaum gerecht. „Seinem Tenor fehlt der Glanz, das Dramatische in der Stimme, er kann keine musikalischen Bögen spannen.“ Camilla Nylund, die die Rolle der Elisabeth übernommen hat, hingegen wird von Spiegel Online gelobt. „Sie führte mit strahlend kraftvoller Stimme ihre Leidensheldin subtil durch die Rolle, rührte mit großer Überzeugungskraft im Gebet des dritten Aufzuges.“ Also immerhin ein gelungenes Bayreuth-Debüt.



Foto: Lammel



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