09.07.2011
BAYREUTH. Trotz eines einstimmigen ablehnenden Beschlusses in dieser Woche im Bauausschuss: Die Grünen im Stadtrat wollen den vorzeitigen und vollständigen Umstieg der Stadt Bayreuth und ihrer Tochtergesellschaften auf Ökostrom dennoch durchsetzen.
Dies erklärte Grünen-Stadträtin Sabine Steininger in einem Kurier-Gespräch. Spätestens bei den Haushaltsberatungen für das Jahr 2012 werde ihre Fraktion erneut auf einen vorzeitigen Komplett-Umstieg der Stadt und ihrer Töchter für deren eigenen Verbrauch drängen.
Der Ausschuss hatte den Antrag, den Ökostromanteil kurzfristig von 50 auf 100 Prozent zu steigern, unter anderem deshalb zurückgestellt, weil für die geschätzten 80.000 Euro Mehrkosten pro Jahr kein Geld im aktuellen Haushalt eingeplant sei. Verträge seien bis ins Jahr 2013 geschlossen. Politischen Willen vorausgesetzt, lasse sich aber bereits für das kommende Haushaltsjahr Geld für die Vollversorgung mit Strom aus regenerativen Quellen einplanen, entgegnet Steininger.
Politischer Wille fehlt
Ob der politische Wille im Bayreuther Rathaus zu einer entschlossenen Energiewende allerdings tatsächlich ausgeprägt genug ist, daran zweifelt man in der Grünen-Stadtratsfraktion inzwischen. Nicht nur mit der jetzigen Abfuhr für den schnellen und kompletten Umstieg auf Ökostrom habe die Stadt „die Chance verpasst, ein Zeichen zu setzen und sich klar zu positionieren“, so Sabine Steininger. Gleiches gelte für die ablehnende Haltung gegenüber einem Masterplan für Photovoltaikanlagen, der ein gezieltes und strategisches Vermarkten und Verwerten von Dachflächen für die Erzeugung von Sonnenenergie im Sinne der Stadt ermöglicht hätte. Bestandteil dieses Vorhabens hätte auch ein Bürgersolardach sein können – Steininger: „Auf diese Weise hätten sich Bayreuther, die eben kein eigenes Haus und damit kein eigenes Dach haben, aktiv an der Energiewende beteiligen können.“
In Kulmbach und Bamberg funktionierten solche Modelle. Brachliegendes Potenzial sieht die Stadträtin zudem bei der unmittelbaren Nutzung von Energie, die auf Schuldächern erzeugt wird, in den Schulen selbst. Und auch dass ein Verein nunmehr eine Photovoltaikanlage an der Autobahneinhausung in Betrieb nimmt und der Erlös daraus einem Sportverein zufließt, passt für die Grünen-Stadträtin ins Bild: Erneut gebe die Stadt das Heft des Handelns aus der Hand, die Grünen hatten eine solche Anlage in öffentlicher Regie bereits vor Jahren vorgeschlagen.
Hälfte ist bereits öko
Geschlossen hatten die Mitglieder des Bauausschusses in dieser Woche den Antrag der Grünen zurückgewiesen, den Verbrauch der Stadt und ihrer Tochtergesellschaften umgehend und komplett aus Ökostrom zu decken. Bis dato liegt der Anteil des Ökostroms bei 50 Prozent. Gründe für die Ablehnung: Bis ins Jahr 2013 geschlossene Vereinbarungen müssten rückverhandelt werden. Die Mehrkosten würden sich auf etwa 80.000 Euro pro Jahr belaufen.
Und im Rathaus argumentiert man weiter damit, dass der 50-prozentige Ökostromanteil bereits ein sehr guter Wert sei. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt Bayreuth mehr als zwölf Millionen Kilowattstunden Strom bezogen und bezahlte dafür 2,35 Millionen Euro.
fs/Symbolbild: pa
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