06.07.2011, 12:39 Uhr
Von Lisa Roderer
HEDVILLE/BAYREUTH. Achim Heukemes radelt inzwischen den elften Tag quer durch die USA und hat schon rund 3000 Kilometer der knapp 6000 kilometerlangen ersten Etappe hinter sich gebracht. Auf seiner Fahrt trotzte er Gewitter und großer Hitze und war fitter als seine im Wohnmobil hinterherfahrenden Begleiter. Heukemes hat uns einen kleinen Überblick über seine bisherige Tour gegeben
Tag 1 - Ground Zero am Morgen: Ein Großteil der New Yorker schlief um 6 Uhr morgens noch, als Achim Heukemes mit seinen Betreuern Andrea und Markus samt Wohnmobil am Ground Zero ankamen und das Fahrrad für die erste Etappe startklar machten. Unter dem Jubel mehrerer „FitLiner“ und einiger New Yorker ging es dann um Punkt 7 Uhr Ortszeit durch die engen und extrem verstopften Straßen. „Es war gar nicht einfach Achim durch die Straßen New Yorks, New Jerseys und Philadelphia zu navigieren“, erzählt Andrea. „Darüber hinaus befindet sich der Straßenbelag dort in einem katastrophalen Zustand.“ Extrem tiefe Kanaldeckel, Löcher, Spurrillen und stark verschmutzte Straßen erschwerten Achim den ersten Tag. Aber er konnte auch kurze Zeit ausruhen: „Während ich auf einer Bank in Havertown, Philadelphia, auf meine Crew wartete, kämpften die beiden mitten im Stadtzentrum mit unzähligen Straßenbahnen.“ Als sie schließlich wieder auftauchten, war er sehr froh die beiden unbeschadet wiederzusehen. In der Hoffnung, dass die Strecke vielleicht doch noch ruhiger werden würde, montierte er seine Beleuchtung und radelte bis tief in die Nacht hinein. „Wenn ihr müde werdet, können wir ja eine halbe Stunde pausieren“, scherzte Achim mit seinen Begleitern. Später überfuhr der Trupp ein Stoppschild und Markus und Andrea durften sich noch mit einem Officer herumschlagen, während Achim weiterfuhr, um seinen Kilometerschnitt beizubehalten. In Virginia angekommen, musste Achim schließlich erste Berge bezwingen. „Keiner hat mir gesagt, dass dieser Bundesstaat so bergig ist. Ein stetiges auf und ab und das mit Steigungen mit bis zu 20 Prozent!“, klagt er. Nach 575 Kilometern und 31 Stunden Fahrt, inklusiver kleinerer Verpflegungspausen, war vorerst auf einem Campingplatz Schluss.
Tag 2 – Besuch aus Miami: Die Truppe steht ab sofort täglich gegen 4 Uhr morgens auf, um gegen 5 Uhr wieder auf der Strecke zu sein. Abends bekamen die drei Deutschen Besuch eines Radsportteams aus Miami. Sie hatten sich vorgenommen, Achim die nächsten vier Tage zu begleiten, und nahmen dafür eine rund 20-stündige Autofahrt auf sich.
Tag 3 – Berge der Kategorie eins: Pünktlich um 5 Uhr startete Achim seine Weiterfahrt. Nachdem er sich eingefahren hatte, also nach rund 60 Kilometern, stieß auch die Begleitung aus Miami zu ihm. „Wir hatten Traumwetter und radelten durch die wunderschöne Landschaft Virginias“, schwärmt Achim. Dazu kam, dass der Straßenbelag endlich besser wurde und die Autofahrer rücksichtsvoller wurden. Allerdings kam kurz vor Ende der 257 kilometerlangen Etappe ein Berg der Kategorie eins, also mit einer Steigung um die 16 Prozent und das auf einer Länge von etwa vier Kilometern. Während das Team um Achim von Markus verstärkt wurde, kapitulierte das Team aus Miami schließlich, weil es mit ihrer Fahrradübersetzung an diesem Berg nicht mehr zurechtkam.
Tag 4 – Gestank in der Dusche: Die Bergetappen hatten nach rund 65 Kilometern endlich ein Ende und die Truppe konnte den Rest des Tages etwas entspannen. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h war Achim trotzdem sehr flott unterwegs, weshalb sie einem großen Gewitter über Bristol, Virginia, entgehen konnten. Als Andrea abends das Essen zubereiten wollte, stellte sie einen unangenehmen Geruch im Bereich der Dusche im Wohnmobil fest. „Meine Füße waren es zum Glück aber nicht“, scherzt Achim. „Unser Abwasserbehälter war übervoll und das Wasser floss in die falsche Richtung, nämlich nach oben.“
Tag 5 – Nebel Richtung Knoxville: Nach einer Nacht auf dem Wal-Mart-Parkplatz, ging es am Morgen bei dichtem Nebel in Richtung Knoxville, Tennessee. „Zur Abwechslung auf einem extra dafür vorgesehenen Seitenstreifen des Highway“, erzählt Achim. Kaum war der Nebel weg, brach die Sonne durch die Wolkendecke und brachte große Hitze. Das Team aus Miami begleitete ihn an diesem Tag zumindest auf den letzten 120 Kilometer. Ab diesem Zeitpunkt kamen auch wieder die Berge. „Die Landschaft ist wunderschön und es gibt viele Berge. Das macht die Tour für Achim nicht gerade einfach“, erzählt Andrea. „Aber er ist immer fröhlich und guter Dinge.“ Wenige Stunden später konnten alle schließlich auf dem Campingplatz hoch oben in den Bergen entspannen und wieder zu Kräften kommen.
Tag 6 – Nashville: Pünktlich um 5 Uhr losgefahren, ging es die ersten 80 Kilometer durch eine „traumhafte Landschaft“, wie Achim berichtet. „Die Strecke war allerdings mal wieder ein ewiges auf und ab.“ Ab den Mittagsstunden wurde es zwar wieder flacher, jedoch stiegen die Temperaturen jenseits der 35-°C-Marke und Achims Beine wurden etwas müde. Dennoch schaffte er die Strecke von 255 Kilometern in 14 Stunden. Froh, endlich in Nashville angekommen zu sein, gab es erst einmal eine kleine Belohnung für alle: Eine Stadttour mit dem neun Meter langen Wohnmobil. „Jack Daniel's wird leider nicht mit unserem Besuch rechnen können“, sagt Achim. Denn der Tag war lang und am nächsten Morgen geht es wie gewohnt um 5 Uhr zurück auf die nächste Etappe.
Tag 7 – Kühlen Kopf bewahren: Über die Straßen von Kentucky, Illinois und Missouri führte die Strecke. „Sehr abwechslungsreich“, wie Achim findet. Durch die Sumpfgebiete des Mississippideltas in die hügelige und sehr heiße Landschaft von Missouri, wo das Team aus Miami den Heimweg antrat. Der Tag hat Achim ziemlich zugesetzt: „Es kam mir vor, als ob ich in einem Backofen fahren würde.“ In den kurzen Pausen kühlte er seinen Kopf mit einem gefrorenen Tuch, während sein Helm und T-Shirt in das Gefrierfach wanderten. „So hatte ich zumindest ein paar Minuten einen kühlen Kopf, wenn es zurück auf die Strecke ging.“ Nach 290 Kilometern war diese heiße Etappe endlich abgefahren und Achim sehr froh „im kühlen Wohnmobil etwas entspannen“ zu können.
Tag 8 – Warning, Thunderstorm! Nach einem Abstecher unter anderem zum „Gateway Arch“ in St. Louis ging es weiter auf den einsamen und monotonen Straßen Missouris. „Es war so heiß, dass sogar verschiedene Aufkleber meines Fahrrads ihre Farbe gewechselt haben“, berichtet Achim. Am Nachmittag reagierten die Betreuer im Wohnmobil blitzschnell, als eine Unwetterwarnung im Radio durchgegeben wurde. „Nur durch die schnelle Reaktion meiner beiden Engel wurde ich nicht vom Winde verweht“, erzählt Achim. Er konnte im Wohnmobil das Unwetter abwarten und anschließend trockenen Fußes seine Weiterfahrt bis nach Bonneville, Missouri, antreten.
Tag 9 – Tempo: Das Gewitter vom Vortag hatte für eine willkommene Abkühlung gesorgt. So konnte Achim noch vor dem Frühstück um 7.30 Uhr schon 70 Kilometer abfahren. „Bis Mittag waren die Temperaturen relativ moderat, so dass ich bis zu meiner 2. Pause bereits über 150 km meiner Etappe fahren konnte“, berichtet Achim. Gegen Nachmittag wurde es wieder sehr heiß und alle waren froh bereits an ihrem Zielort, einem Campingplatz mit Zugang zu einem See, angekommen zu sein.
Tag 10 – Wasserangebote: Das Radio meldete wieder große Hitze für den Nachmittag, also bemühte sich Achim so wenig Pausen wie möglich zu machen. Markus setzte sich am Nachmittag schließlich zur Unterstützung mit auf das Fahrrad und die Hitze kam. „Es war so heiß, dass selbst Autofahrer anhielten und uns fragte, ob alles okay sei und uns Wasser anboten.“ Gegen Ende der Etappe schloss sich auch noch ein älterer, ehemaliger Radprofi aus den USA an. „Er hatte uns vorher aus seinem Auto gesehen, ist dann schnell nach Hause, hat sein Fahrrad startklar gemacht und ist losgefahren. Er war heilfroh, dass es nur noch 30 Kilometer bis zu uns waren“, lacht Achim.
Foto: red
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