BAYREUTH. Ärger in Bayreuth: Der Bundesrechnungshof hatte kritisiert, wie die Eintrittskarten für die weltberühmten Wagner-Festspiele vergeben werden. Die Mäzene bangen deshalb um ihre Tickets. Sie wollen nur spenden, wenn sie auch Vorteile davon haben.
Der Verwaltungsrat und wichtige Spender der Bayreuther Festspiele haben vor einer Kürzung des Kartenkontingents für die Mäzene gewarnt. Kein anderer Förderverein leiste einen so
hohen Beitrag zur Finanzierung einer Kulturveranstaltung wie die Freunde von Bayreuth, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Toni Schmid am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Freunde-Chef Georg
von Waldenfels erinnerte daran, dass die Mäzene mit mehr als drei Millionen Euro im Jahr mehr Geld für die Festspiele zur Verfügung stellen als der Bund oder der Freistaat
Bayern.
Der Bundesrechnungshof hatte bemängelt, dass nur 40 Prozent der knapp 58.000 Festspielkarten in den freien Verkauf gehen und darüber hinaus zu viele Freikarten an Prominente aus Politik
und Wirtschaft vergeben werden. Schmid sagte nach einer Sitzung des Verwaltungsrates, die Kartenkontingente seien bereits mehrfach überprüft worden: "Die Mäzene entlasten den
Steuerzahler, es wäre nicht klug, wenn man gerade hier Hand anlegen würde."
Schmid und von Waldenfels verwiesen auf erhebliche Mängel an der Bausubstanz des Festspielhauses. Wenn die Gesellschaft der Freunde die benötigten neun Millionen Euro nicht aufbringen
könne, müsse der Steuerzahler dafür aufkommen.
Die Festspiele erwirtschaften Schmids Angaben zufolge 57 Prozent ihres Etats selbst. Das sei weltweit einmalig. Auch die neuen Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier
hätten bewiesen, dass sie gut wirtschaften und hart sparen können. "Die Festspiele schreiben keine roten Zahlen."
Keine Freikarten
Waldenfels bestätigte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, dass die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth knapp 14.000 Karten pro Spielzeit erhält. "Das sind aber keine
Freikarten. Unsere Mitglieder zahlen dafür den vollen Preis", sagte Waldenfels. Der frühere bayerische Finanzminister verwies darauf, dass die Mäzene den Festspielen seit 1951 mehr
als 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hätten. "Die Spender gehen davon aus, dass sie im Gegenzug auch Festspielkarten bekommen." Sollte das nicht mehr der Fall sein, werde die
Spendenbereitschaft sinken.
Am Betriebskostendefizit von derzeit etwa sieben Millionen Euro beteiligen sich der Bund und der Freistaat Bayern mit 2,3 Millionen Euro pro Jahr. Den Rest teilen sich die Stadt Bayreuth, die
Gesellschaft der Freunde und der Bezirk Oberfranken. Im Vergleich zur Förderung der Staatstheater sei das "nicht gerade großzügig", sagte von Waldenfels.
Der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth verwies darauf, dass die Mäzene seit mehr als 20 Jahren sämtliche Sanierungen am Festspielhaus allein finanzierten. Die
Gesellschaft sei bereit, auch die Kosten für eine neue Probebühne und weitere notwendige Sanierungsmaßnahmen zu übernehmen. "Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten", sagte von
Waldenfels. Das setze aber voraus, dass die Spenden weiter so fließen wie bisher. "Entscheidend ist aber, dass sich auch die öffentliche Hand entsprechend beteiligt."
dpa/Foto: Harbach
Dies ist eine Nachricht aus unserem Archiv. Es können daher keine neuen Kommentare verfasst werden.
Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich bei der Community registrieren und einloggen.