13.06.2011, 12:35 Uhr
Von Eva Bartylla
BAYREUTH. Der Musiker Ben ist gut aussehend, talentiert und erfolglos. Genau wie Tim. Das jedenfalls sagt Tims Freund Martell Beigang. Beide zusammen sind die Band Hallo Erde aus Köln. Beigang wiederum ist Autor des Buches „Zu Gast im eigenen Leben“. Das Buch und die Band boten die Basis für eine lässig ambitionierte Performance am Freitagsabend im Foyer des Audimax der Uni Bayreuth im Rahmen des Literaturcafés. Nur gab’s diesmal nicht Kaffee, sondern Bier.
Die zwei Mann Show gefiel mit ihrer hemmungslosen Subjektivität. Jemand, der sich so radikal auslebt, wie diese beiden, werden – unterstellt – auch anderer Eigenwilligkeiten akzeptieren. Auf den ersten Augenschein ganz unterschiedliche Typen treten da in Erscheinung. Tim mit Strubbelhaar, Käppi und entweder süffisantem Grinsen oder trotzigem Schmollen im Gesicht. Geschenkt.
Martell trägt unter dem seriös kurzen Militärschnitt, ironisch blauäugig blickend, stolz sein abstehendes linkes Ohr zur Schau. Zwei sympathische Jungs, die ihr Ding durchziehen. Die laut (gelegentlich elektronisch verstärkt) sind, lästig und wach und das tun, was ihnen Freude macht. Nicht nur Spaß, sogar Freude. Die aussprechen, was sie worüber denken in ihren Liedtexten und schriftlich festhalten, was sie irritiert und beobachten. An sich oder an anderen.
Es scheint die Art der Daseinsbewältigung zu sein, die jung und gesund hält. Hochemotionalisiert, intellektualisiert und dennoch distanziert beobachten sie sich selbst und alles um sich herum, als sei’s kein Stück von ihnen. Wenn’s genehm, schlüpfen sie mitten hinein und ersparen sich damit – unterstellt – jegliche Therapie. Eine Lebensart, die anmacht.
Ihre Botschaft sind sie selbst. Nicht mehr. Nicht weniger. Genug.
Das meist gleichaltrige Publikum, weniger plus, eher minus 40 amüsierte sich köstlich. Über die beiden und manchmal vielleicht über sich selbst. Was Mann so alles anstellt, um am beständig andauernden Wahnsinn des alltäglichen Lebens und der Liebe nicht wahnsinnig zu werden: Tantra Yoga in Bens altem Heimatdorf Quadrath-Ichendorf zum Beispiel. Schon diese Kombination ein Abenteuer.
Rose der Großstadt
Ob die Band Servokings oder Hallo Erde, einerlei. Beide wollen das Genre des Protestsongs wiederbeleben, so oder so schreien sie ihr Misstrauensvotum an die Welt hinaus. Sie denken deutsch, also singen sie deutsch. Logisch. „Rose der Großstadt“ zum Beispiel. Oder „Kälte“.
Tim und Martell lesen mit verteilten Rollen, musizieren gemeinsam. Im Einklang mit ihrer Selbstironie.
Spannend und plastisch gelesen hat Ben auf der Suche nach dem echten Leben und dem adäquaten Sound desselben die Sache mit Liebe und Sex, Liebe und Frauen bis heute nicht so richtig verstanden. Er baut eine gläserne Wand aus Zynismus zwischen sich und der Welt. Und Tim und Martell? Keine Ahnung.
Foto: eba
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