22.05.2011, 15:00 Uhr
Von Ute Eschenbacher
KULMBACH. Das Bäckerhandwerk sieht sich selbst als eine der bestorganisierten Branchen in der bayerischen Wirtschaft. Entsprechend selbstbewusst ist Landesinnungsmeister Heinrich Traublinger bei der Landesverbandstagung in Kulmbach aufgetreten: „Wir sind eine der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft.“ Doch 72 Prozent der Verbraucher würden die Bäcker nicht mehr als Handwerksbetriebe wahrnehmen, stellte der Landesinnungsmeister in seinem Bericht vor der Mitgliederversammlung fest. „Deshalb müssen wir unsere Qualitäten wieder mehr in Richtung Konsumenten bringen“, sagte Traublinger und verwies auf die laufende Imagekampagne für das Bäckerhandwerk.
Die Bäcker hätten die Wirtschaftskrise im Jahr 2009 gut überstanden. Der Jahresumsatz sei bundesweit im Jahr 2010 um 1,1 Prozent gestiegen. In Bayern habe das Umsatzplus sogar 2,7 Prozent betragen. Dies zeige, so Traublinger, das wieder investiert werde. Ende vergangenen Jahres gab es in Bayern 3039 handwerkliche Bäckereien; in Oberfranken waren es 397 (Minus acht). Bayernweit waren es 73 Betrieben weniger (2,3 Prozent). Der Strukturwandel vollzieht sich aber laut dem Geschäftsbericht der Landesinnung in Bayern langsamer als im Bundesgebiet. „Wenn die Relation zwischen Ertrag und Arbeitseinsatz nicht mehr stimmt“, warnte Traublinger, könnte die Zahl der Betriebe noch weiter abnehmen.
EU erschwert verständliche Vorgaben
Nach den Worten von Traublinger soll daher künftig noch mehr um junge Leute für das Bäckerhandwerk geworben werden. Das Argument, man müsse so früh aufstehen, wiege nicht so schwer: „Dafür macht man auch früher Schluss.“ Die Zahl der Lehrlinge ging von 2009 auf 2010 um 8,4 Prozent zurück. Oberfrankenweit ließen sich 306 junge Leute zum Bäcker und 335 zur Bäckereifachverkäuferin ausbilden. Deutlich Kritik übte der Landesinnungsmeister an der ausufernden Bürokratie, mit der Lebensmittelproduzenten zu kämpfen hätten. So würden bis zur EU-Ebene schwer verständliche Vorgaben gemacht und Rechtsvorschriften erlassen, „die unsere Betriebe überfordern“. Als Beispiel nannte er denn „Salzstreit“ mit Brüssel, gegen den das Bäckerhandwerk weiterhin Front machen werde. Die Festlegung eines maximalen Salzgehaltes im Brot oder die genaue Definition, wann ein Lebensmittel als „gesund“ bezeichnet werden dürfe, sei absurd. „Warum ist eine Breze plötzlich nicht mehr gesund?“, fragte Traublinger. „Jeden Tag wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben und wir sind die Leidtragenden.“
Auch sieht er die Bäcker als Leidtragende der Energiepolitik, weil die Energieumlage stetig ansteige. Der Grundsatz „Teller vor Tank“ sei offenbar nicht mehr gültig. „Für uns ist wichtig, dass die Kosten nicht explodieren“, bekräftigte Traublinger am Ende seiner Rede. Trotz aller Kritik setze er auf einen „konstruktiven Dialog“ mit der Politik, sagte er in Richtung Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die an der Spitze der vielen Gäste in der Mönchshofhalle stand.
Aigner: "Ampel"-Kennzeichnung "zu spimpel"
Aigner lobte die Vielfalt und Qualität des bayerischen Bäckerhandwerks und begrüßte die Initiative der Unesco, ein regionales Brotregister aufzubauen. Sie plädierte für eine größere Wertschätzung für Lebensmittel und eine Abkehr von der Wegwerfmentalität. 20 Millionen Nahrungsmittel landeten jährlich auf dem Müll. Die „Ampel“-Kennzeichnung hält sie jedoch „für zu simpel“. Zur Frage der Erneuerbaren Energien erklärte Aigner, dass deren Anteil derzeit elf Prozent in Deutschland ausmache; acht Prozent mache die Biomasse aus: „Nicht Wind, nicht Sonne – landwirtschaftliche Produkte leisten den Hauptanteil unter den Erneuerbaren Energien.“
Foto: pa/ue
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