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21.05.2011, 10:45 Uhr

 

Nach Einsatz in Krisengebieten: US-Soldaten fällt das alltägliche Leben schwer

VILSECK. Seit gut zwei Jahren geht die US-Armee neue Wege in der Truppenbetreuung. Noch in den Einsatzgebieten wie Irak und Afghanistan werden die Soldaten auf ihre Rückkehr in ein alltägliches Leben in Familie, Gesellschaft und Beruf, in den Lebensalltag abseits ihres gefährlichen Einsatzes vorbereitet.

 

In den Rose-Barracks in Vilseck absolvieren US-Soldaten nach der Rückkehr aus Krisengebieten ein Integrationsprogramm. Foto: Röttenbacher

Nach zwölf Monaten in Afghanistan kehren derzeit die rund 4000 Soldaten des 2. Stryker-Kavallerieregiments heim in die Rose-Barracks in Vilseck im Landkreis Amberg-Sulzbach. Dort durchlaufen sie in den kommenden sieben Tagen den letzten Teil ihres Integrationsprogramms.

Psychologische Hilfe

Dabei geht es um mehr als die Rückführung in das alltägliche Leben mit Familie, mit gesellschaftlichen Aufgaben, der Bewältigung des Alltags. Viele der heimkehrenden Soldaten haben psychische Probleme. Zwölf Monate Lebensangst, Kanonendonner, Geschützfeuer und gefallene Kameraden fordern ihren Tribut an der seelischen Gesundheit, der erst Wochen oder Monate nach ihrer Heimkehr aus den Krisengebieten auffällig werden kann.

Um diese Probleme möglichst früh zu erkennen, führt die US-Armee ihre Soldaten einer umfassenden medizinischen und psychologischen Untersuchung zu. Im sogenannten Integrationszentrum in den Rose-Barracks drängeln sich junge Männer und Frauen in Uniform. Sie alle haben ein Ziel: das Integrationsprogramm möglichst schnell zu durchlaufen.

Die Meinungen sind geteilt. Viele der heimgekehrten Soldaten finden das Angebot gut, auch wenn sie während der sieben Tage erneut von ihren Familien getrennt sind. Andere haben erfahren, dass das frühe Gespräch mit Fachmedizinern sowie die Einweisungen in das alltägliche Leben langfristig das „Welcome Home“ erleichtern.

Der Eingliederungsprozess beginnt im Krisengebiet, sechs Monate vor der Heimkehr, und setzt sich weitere sechs Monate im Heimatstandort fort. Mediziner, Sozialarbeiter, Geistliche und Sicherheitsbeauftragte sollen den „Entwurzelten“, die häufig mit Suchtproblemen oder Aggressionen kämpfen, den Wiedereintritt in den Alltag erleichtern. Denn neben persönlichen Krisen haben die jungen Soldaten den Verlust von 20 Kameraden seit Mai vergangenen Jahres zu verarbeiten.

Teilnahme ist Pflicht

In den Rose-Barracks werden derzeit bis zu 700 Soldaten betreut. Die Teilnahme am siebentägigen Integrationsprogramm ist Pflicht, die Familien können sich freiwillig anschließen, denn die Probleme tauchen meist dann auf, wenn die Wiedersehensfreude abgeklungen ist. Vorgesehen ist, dass die US-Soldaten nicht vor Ablauf von drei Jahren erneut in einen Einsatz kommen. Einzuhalten ist diese Regelung eher nicht.

Das erste Jahr soll der Integration und Neuaufstellung der Truppe dienen. Im zweiten Jahr wird für den nächsten Einsatz trainiert und im dritten Jahr der Einsatz vorbereitet. Beim Integrationsprogramm wird darauf geachtet, die Hemmschwelle, kompetente, verhaltensmedizinische Hilfe aufzusuchen, so niedrig anzusetzen, dass hilfesuchende Soldaten nicht stigmatisiert werden.

Suchtprobleme bewältigen

Problematisch sind die steigenden Suchtprobleme. Mit Alkohol und Drogen versuchen viele der traumatisierten Soldaten ihre Erinnerungen in den Griff zu bekommen. Und so rücken die US-Soldaten langsam von Station zu Station vor, von der Blutentnahme zum vertraulichen Gespräch, von der Impfung zur Einweisung in Bankgeschäfte bis zu Hinweisen über den deutschen Straßenverkehr und familiärem Verhalten.

Wie viele Soldaten aus den Krisengebieten nicht wieder in Gesellschaft und Truppe integriert werden konnten, wusste von den Verantwortlichen niemand zu sagen.

röt




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