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16.05.2011, 11:00 Uhr

 

Der regionale Bewerber – das begehrte Wesen

Von Eric Waha

BAYREUTH. Hochnäsigkeit kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten. Und die Schulen sollten es sich nicht mehr leisten, der heimischen Wirtschaft die Türe vor der Nase zuzumachen. Es geht schließlich um die Zukunft. Und zwar nicht nur der Schüler, sondern auch der Unternehmen. Vor diesem Hintergrund machen die Wirtschaftsjunioren zusammen mit 15 namhaften Unternehmen aus der Region am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium (MWG) in den elften Klassen ein Bewerbungstraining.

 

Eine Umworbene beim Trainings fürs Bewerben: Die Schülerin Anna-Lena Brückner im simulierten Bewerbungsgespräch mit der Medi-Personalreferentin Kathrin Lenhart und dem Ausbildungsleiter der Deutschen Rentenversicherung, Günter Schrenker. Foto: Lammel

Das Ziel ist klar definiert, wie Marko Ahrens von den Wirtschaftsjunioren sagt: „Wir haben die Hoffnung, neue Köpfe für die Region gewinnen – und sie damit hier halten – zu können. Das ist so etwas wie die Hege und Pflege des Potenzials, das wir hier haben.“ Hinter dem Bewerbungstraining, das unter realistischen Bedingungen mit Bewerbungsmappe und allem, was dazu gehört, in der Industrie- und Handelskammer (IHK) und am MWG selbst stattfand, steckt die Idee, „in Bildung zu investieren“, wie es Ahrens formuliert.

Licht unterm Scheffel

Dieses Investition sei auch dringend notwendig, denn das oberfränkische „Bassd scho“ – das höchste fränkische Lob also – könne gleichgesetzt werden damit, dass der Oberfranke gerne mal sein Licht unter den Scheffel stellt. Und auch nicht registriert, dass „wir hier Unternehmen mit Weltmarktformat vor Ort haben. Auch hier kann man erfolgreich sein und entsprechende Positionen erreichen“, wie es Wolfgang Dollhopf, Personalreferent der Sparkasse Bayreuth, formuliert. Dollhopf war am vergangenen Freitag einer der Ansprechpartner beim Bewerbungstraining und sagt: „Wir als regionales Unternehmen haben die Aufgabe, unserer Struktur entsprechend auch Nachwuchskandidaten aus der Region zu bekommen.“

Bei der Sparkasse – wie auch bei anderen Unternehmen – habe man das Periskop schon vor einigen Jahren nach entsprechenden Bewerbern ausgefahren, „als wir gemerkt haben, dass die demografische Entwicklung greift“. Man gehe offensiv gerade auf die Abiturienten zu, die möglicherweise ein falsches Bild vom Beruf des Bankers hätten. Es gehe bei den Bewerbungstrainings aber nicht vordergründig darum, einen Schüler für das Unternehmen X oder die Bank Y zu gewinnen, „sondern darum, den Jugendlichen die Augen zu öffnen, um was es in dem oder jenem Berufsbild geht, ihnen Alternativen zu eröffnen“, sagt Dollhopf.

Bewerbungstraining

Gleichwohl wäre das Bewerbungstraining durchaus schon erfolgreich gewesen. Man könne Kontakte zu eventuellen künftigen Bewerbern knüpfen, Praktika vermitteln. Denn, wie die Lehrerin Barbara Zeitler sagt: Anders als noch vor einigen Jahren seien die „Abiturienten umworben. Sie werden mit einer Flut von Flyern zugeschüttet“. Auch Dollhopf ist überzeugt: „Die Abiturienten werden sich bald ihre Stellen aussuchen können.“ Das Blatt dreht sich – zu Gunsten der Jugendlichen.

Für die Direktorin des MWG, Elisabeth Götz, bei der die Wirtschaftsjunioren mit ihrem Projekt offene Türen eingerannt haben, ist das Modell des Bewerbungstrainings etwas, was „wir den Schülern hier nicht beibringen können. Es ist auch gut, wenn sie das nicht von den Lehrern hören, sondern praktische Erfahrungen unter Realbedingungen machen können“. Die Kinder sollen ruhig nach der Schule, nach dem Abi, zum Studium oder zum Lernen weggehen – um wieder zu kommen. Denn jeder, der wiederkommt, ist ein Supergewinn für uns hier in der Region“, sagt Götz. Sie weiß, wovon sie spricht. Sie ist nach Jahren in München wiedergekommen in ihre Heimat Bayreuth.




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