10.05.2011, 10:37 Uhr
Von Gunter Becker
BAYREUTH. Das Projekt „Chance Herzogmühle“ wird fortgesetzt. Der Sozialausschuss des Stadtrates hat in seiner Sitzung am Montagnachmittag zugestimmt, das Projekt für mindestens ein Jahr weiterzuführen. Vorausgesetzt, der Stadtrat stimmt zu, für die Finanzierung 35.000 Euro freizugeben.
Das Projekt „Chance Herzogmühle“ wurde 2009 gestartet mit dem Ziel, „wohnungslosen Personen aus dem Bereich Herzogmühle zeitnah in normalen Wohnraum oder andere geeignete Wohnformen zurückzuführen“, erläuterte Sozialreferent Carsten Hillgruber. Befristet war das Projekt auf vorerst zwei Jahre. In der Zwischenzeit konnte die Mitarbeiterin des Kooperationspartners Diakonie Bayreuth, Brigitte Schmidt-Blick, einige der Bewohner zum Umzug bewegen.
Laut Hillgruber seien letztmals 2009 elf Personen in die Obdachlosensiedlung eingewiesen worden. 2007 waren es noch 13, 2005 28 und im Jahre 2003 48. Im Jahre 2010 wurde niemand mehr in der Herzogmühle untergebracht.
Schwer vermittelbar
Obwohl die Vorteile auf der Hand liegen, neben besseren Wohnungen die Menschen bessere Entwicklungschancen und die Kinder und Jugendlichen bessere Ausbildungschancen bekämen, wenn sie außerhalb der Herzogmühle wohnen könnten, ist die Bereitschaft der Bewohner sehr zurückhaltend. Von 75 Fällen mit 117 Personen seien 15 Fälle (16 Personen) in Wohnungen im Stadtgebiet vermittelt worden. Das sind 20 Prozent aller Fälle. 23 Fälle (50 Personen) hätten einen Umzug rundweg abgelehnt. Elf Fälle (16 Personen) seien schwer vermittelbar.
Hillgruber: "Herzogmühle soll keine Sackgasse sein"
Einigen der Bewohner der Herzogmühle wird in naher Zukunft aber keine andere Wahl bleiben, als das Angebot einer anderen Wohnung in der Stadt anzunehmen. Denn nach Abriss von Block 20 im Jahre 2009, der die Umsiedlung von 27 Personen bedingte – zwölf Personen zogen in neue Wohnungen, 15 Bewohner innerhalb der Herzogmühle um – sollen in diesem Jahr die Blöcke 21 und 22 abgerissen werden.
Eine Umsiedlung der Bewohner innerhalb der Obdachlosensiedlung komme jedoch nicht mehr infrage, betonte Hillgruber. Vielmehr sollen in Zukunft noch weitere Unterkünfte abgerissen werden und keine Sanierungen mehr erfolgen. Auch die Errichtung von Ersatzbauten verfolge man nicht weiter. Die vor Jahren geplanten Neubauten, für die Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro ermittelt worden waren, werden nicht mehr realisiert. Stattdessen solle der Projektzeitraum für die „Chance Herzogmühle“ verlängert werden. Denn, betonte Hillgruber ausdrücklich: „Die Herzogmühle soll keine Sackgasse sein.“
Sozialausschuss bekräftigt Projektverlängerung
Nicht mehr benötigt wird auch die Sozialintegrative Kindertagesstätte Herzogmühle. Von derzeit 38 Kindern kommen lediglich fünf aus der Herzogmühle, 33 aus dem Stadtgebiet. Angedacht ist laut Hillgruber, eine derartige Einrichtung im Stadtteil Kreuz anzusiedeln. Die Mitglieder des Sozialausschusses stimmten der Projektverlängerung zu.
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