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17.04.2011, 19:49 Uhr

 

Kein Meisterstück: Stefan Herheims „Salome“ bei den Osterfestspielen

Von Jörn Florian Fuchs

SALZBURG. Im ersten Drittel der Salzburger „Salome“ war alles wie bei den anderen Stefan Herheim-Produktionen. Ein eigenwilliges Konzept (Dramaturgie: Alexander Meier-Dörzenbach) korrespondierte mit einer aufwendigen Bühne (Heike Scheele), dazu gab es exquisite Kostüme (Gesine Völlm). Schon stellte man sich auf einen weiteren Musiktheatertriumph des Traumquartetts der Oper ein, doch es sollte anders kommen.

 

Ohne dunkle Transzendenz: Emily Magee als Salome (rechts). Foto: Osterfestspiele Salzburg/Forster

Zu den wunderbar fiebrigen Klängen, die Simon Rattle den Berliner Philharmonikern anfangs entlockt, blickt man auf einen fantastischen Sternenhimmel, am Boden liegen schwarze Findlinge, in der Mitte steht ein großes Teleskop. Über all dem taucht ein gigantischer Mond auf und hüllt die Szenerie in milchiges Licht. Auftritt Salome. Sie trägt ein blendend weißes Kleid und übt einen dunklen Erotikzauber aus, vor allem die Männer sind davon be- und später entgeistert.

Schleierhafter Schleiertanz

Der eigenartige Trupp teils sehr bärtiger Mannen ist in glitzernde Roben gehüllt, bei jedem Schritt funkelt und blinkt es. Etwa eine halbe Stunde lang schaffen Herheim und sein Team Bilder reich an poetischer Kraft, wobei das Teleskop eine ganz zentrale Rolle spielt: mal verfolgt es einige Protagonisten, dann wieder dient es als simple Spiel- beziehungsweise Kletterfläche. Später schießt es Löcher in den Mond, aus denen sieben Salomes in sehr bunten Schleiern die älteren Herren zu verzücktem Zucken animieren.

Die so Erregten hat man da schon als verflossene weltliche und klerikale Herrscher erkannt, Napoleon ist dabei, Stalin, auch Hitler. Vor diesem reichlich schleierhaften Schleiertanz führt einem die Inszenierung immer wieder schlaglichtartig Beziehungen vor, da bandelt praktisch jede mit jedem an. Warum das alles passiert, bleibt leider verschwommen, ohne Studium des Konzepts im Programmbuch erschließt sich wenig.

Je nach Gefühlszuständen oder Seelenregungen verändert der Mond seine Gestalt, was arg dekorativ wirkt. Düstere Wolken bedeuten düstere Stimmung und so weiter. Mehr und mehr wird der Abend träge und verläuft sich im Ungefähren, ja mehr noch, er wird zu ungefährlichem Hochglanzschick – was für Salome eine Art Todesurteil ist.

Lichtblicke

Immerhin ein paar interessante Lichtblicke gibt es. Etwa während des großen Glaubensdiskurses, da verwandelt sich der Mond in lauter Augen, später bleibt nur eines übrig, dann leuchtet hinter diesem ein Totenschädel hervor, dies meint wohl die Verabschiedung von Christentum und Erlösung.

Auch bei Herheims Personenführung hapert es diesmal. Wirklich spannend ist eigentlich nur die sehr differenziert gezeichnete Beziehung zwischen Herodes und seiner Frau, sie durchleben sämtliche Höllen und Tiefen einer Ehe. Den Damen des Schleiertanzes wurde dagegen eine Choreographie auf die schlanken Leiber geschneidert, die irgendwo zwischen Moulin Rouge und Flugbegleiterinnentrippeln angesiedelt ist.

Peinlich

Und wirklich peinlich ist Salomes Kuss des Jochanaan, der Mahner aus dem Brunnen erscheint als riesiger Kopf, in den Salome hineinfällt. Irgendwann kommt sie wieder raus und singt ihre berühmte Sentenz „Ich habe deinen Mund geküsst“, als sei’s eine nette Zugabe am Ende eines langen Liederabends. Überhaupt legt Emily Magee ihre Partie recht lyrisch an, ohne eine Nuance dunkler Transzendenz zu versprühen.

Auch Stig Andersen kann als Herodes nicht wirklich überzeugen, dagegen verströmt Iain Patersons Jochanaan kräftige Warntöne. Hanna Schwarz singt eine prägnante Herodias, Pavel Breslik einen soliden Narraboth. Nicht nur das Regieteam und einige Sänger, auch Simon Rattle erhielt deutliche Buhs, wohl vor allem deshalb, weil er das Orchester zeitweise nur noch brüllen ließ und damit alles ohnehin schon grenzwertig Vokale vollends überdeckte.




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