15.04.2011, 18:32 Uhr
MÜNCHEN/STUTTGART. Ein falscher Arzt hat am Freitag vor Gericht zugegeben, sich seine Zulassung bei Google besorgt und danach auch Patienten in München behandelt zu haben. Mit Hilfe der Internetsuchmaschine sei er auf einen Lebenslauf und eine Approbationsurkunde gestoßen, die er am Computer fälschte und als Bewerbung einreichte, erklärte der 27-Jährige vor dem Landgericht Stuttgart.
Der Mann hat laut Anklage von August 2009 bis Januar 2010 als Betäubungsarzt und "Helfer vor Ort" gearbeitet. Er soll bei rund 150 Patienten in München und Horb (Kreis Freudenstadt) unter anderem Narkosemittel gespritzt, Infusionen gelegt und Blut entnommen haben.
Angeklagter hat nur Hauptschulabschluss
Sein Medizinwissen habe er sich bei mehreren Praktika in verschiedenen Kliniken, während eines Freiwilligen Sozialen Jahres und als Rettungshelfer angeeignet, erklärte der Angeklagte. Er besitzt lediglich einen Hauptschulabschluss. Obwohl der in Höhe von rund 100.000 Euro verschuldete Mann für seine Dienste knapp 20.000 Euro eingestrichen haben soll, sei es ihm nie um Geld gegangen, erklärte er. Er habe helfen wollen.
Seine Tarnung war schließlich aus einem ungewöhnlichen Grund aufgeflogen. Über Behandlungsfehler des gebürtigen Böblingers hatte sich niemand beklagt - er selbst war es, der einen Beschwerdebrief über Probleme bei der Zuteilung von Rettungskräften im Rems-Murr-Kreis geschrieben hatte. Dieser enthielt mehrere Dutzend Rechtschreibfehler, so dass erstmals die akademische Laufbahn des Mannes hinterfragt wurde.
dpa/Foto: pa
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