04.04.2011, 15:06 Uhr
Von Eva Bartylla
BAYREUTH. Wenn Werner Müller nach Bayreuth kommt, ist seine Fangemeinde da. Alle sind älter geworden, weißer und fülliger. Auch er. Zum Glück hindert das Müller nicht an seiner künstlerischen Agilität. Die Körpersprache, sein wichtigstes Instrument, klappt noch.
Werner Müller weiß, dass 38 Prozent der zwischenmenschlichen Verständigung und Information dem Klang der Stimme entnommen werden. 55 Prozent gar werden durch die sogenannten nonverbalen Zeichenträger, wie Gesichtsausdruck, Gestik und Körperhaltung mitgeteilt.
Natürlich waren die Frauen das Lebenselixier Johann Wolfgang Goethes von seinem 17. Jahr an bis ans Sterbebett. Auf eine lustvolle Art, vollkommen enthoben der von Lehrermumien verordneten Rezitation, zelebriert Müller Goethes Frauen wollüstig im Wechselrahmen.
Er untermalt das amouröse Treiben des lebens- und liebeshungrigen Dichters, der vor Bindungen wie Niederlagen immer wieder flüchtet, einmal gar bis Italien, mit ausgiebigen Exkursen in dessen Dichtungen.
Es treibt Goethe um wie Müller auf der Bühne. Ganz selten steht jener still auf einem Fleck. Und wenn, dann vibriert er bis in die Füße. Die stecken im weichen Leder weißer Pantomimenschuhe, die jede Zehenbewegung zulassen und sichtbar machen.
Herzensbrecher
Bereits mit 17 übte sich der Student Goethe in Leipzig in der Kunst, spröde Mädchen zu fangen. Käthchen Schönkopf, die er Annetten nannte, trieb ihn zum ersten Mal in Wut, Rage und Enttäuschung, weil sie einen anderen erwählte. Dem Pfarrerstöchterchen Friederike Brion bricht er das Herz, sie bleibt zeitlebens unverheiratet.
Er zog weiter nach Wetzlar, Frankfurt und schließlich Weimar. Er knackte die Herzen von Charlotte Buff, Maximiliane de la Roche, Anna Elisabeth Schönemann, genannt Lilly. In Weimar begann die komplizierte Liebe zu Charlotte von Stein, später des Spottes voll, als Goethe bei Christiane Vulpius zur Ruhe kommt. 18 Jahre lebte er mit ihr in wilder Ehe, 1806 heiratete er sie und 1816 starb sie. Auf ihren Grabstein schrieb er: „Du versuchst, o Sonne, vergebens,/ Durch die düstren Wolken zu scheinen!/ Der ganze Gewinn meines Lebens/ Ist, ihren Verlust zu beweinen.“
Gelebte Gedichte, Balladen, Lyrik und Prosa, völlig abseits germanistischer Trampelpfade, darin ist der Pantomime, Rezitator, Körpertheaterdarsteller und Lehrer Werner Müller ein
Meister.
Symbolbild: pa
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