Tatverdächtiger von Krailling soll aus Habgier getötet haben
MÜNCHEN/KRAILLING. Nach dem Doppelmord im oberbayerischen Krailling sind sich Polizei und Staatsanwaltschaft sicher, den Täter gefasst zu haben.
Gegen den 50-jährigen Mann aus dem Umfeld der beiden getöteten Mädchen werde Haftbefehl wegen zweifachen Mordes beantragt, sagte Oberstaatsanwältin Andrea Titz am Samstag auf
einer Pressekonferenz in München. "Das Mordmerkmal ist Heimtücke." Der Mann habe die Arglosigkeit und Wehrlosigkeit der beiden Mädchen ausgenutzt. Der Tatverdächtige habe noch
kein Geständnis abgelegt. Nach Medien-Berichten soll der Mann ein Onkel der getöteten Kinder sein. Er habe sich mit seiner Schwägerin - der Mutter der Mädchen
- um Geld gestritten. Der Postbote sei selbst Vater von vier Kindern.
Der Tatablauf sei noch nicht gänzlich geklärt, sagte der Leiter der Mordkommission Markus Kraus. Der Verdächtige sei gegen 17.00 Uhr am Freitag widerstandlos vor seiner Wohnung in
Peißenberg festgenommen worden. Nach Angaben von Kraus gibt es noch keine "konkrete Motivlage". Der Mann sei bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten, sagte Titz. Die Mutter der
getöteten Kinder sei nach der Festnahme informiert worden.
Wohnung war nicht verschlossen
Die elf Jahre alte Sharon und ihre acht Jahre alte Schwester Chiara waren in der Nacht zum 24. März in ihren Kinderzimmern ermordet worden. Die Mutter hatte die leblosen Kinder entdeckt, als
sie von der Arbeit in einer Gaststätte nach Hause kam. Der Verdächtige habe Zugang zur Wohnung gehabt, weil die Wohnung nicht verschlossen gewesen sei, sagte Titz.
In der Wohnung war DNA sichergestellt worden. Die Rechtsmedizin der Universität München habe am Freitagmittag einen Treffer beim Abgleich gemeldet, sagte Kraus. Der Verdächtige hatte
zuvor freiwillig eine Speichelprobe abgegeben. Insgesamt waren von 91 Vergleichspersonen DNA-Proben genommen worden. Zudem gingen 141 Hinweise aus der Bevölkerung ein.
Wahrscheinlich Messer und Hantel verwendet
Der Täter muss sich nach Erkenntnissen der Polizei eine Verletzung zugezogen haben. Der 50-Jährige sei verletzt; über Details wollte Kraus jedoch keine Angaben machen. Bei der Tat
sei ein gefundenes Messer verwendet worden und wohl auch eine Hantel.
Der Beschuldigte habe beim Verhör einen eher distanzierten Eindruck gemacht. Bei zwei Vernehmungen habe er unterschiedliche Aussagen gemacht, wo er sich zur Tatzeit aufgehalten
habe.
Die Kinder des Verdächtigen seien inzwischen in die Obhut des Jugendamts gebracht worden, sagte Kraus. Die Frau des 50-Jährigen sei vernommen worden, zum Inhalt ihrer Aussage wollte Kraus
keine Auskunft geben. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Tatverdächtige nicht bei der Trauerfeier am Freitag war.
dpa/Foto: pa
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