31.03.2011, 09:52 Uhr
Von Ines Kerner
BAYREUTH. Die Formel 1, Luft- und Raumfahrt waren bisher Anwendungsbereiche von Carbon. Jetzt steigt Dr. Wolfgang Gruber vom Medcenter in die Technologie ein, um Knochenbrüche und Fehlstellungen zu therapieren. Das Center ist eigenen Angaben nach der zweite Anwender dieser Technik in Bayern.
Carbon ist ein leichtes, belastungsfähiges Material, erklärt Gruber, ärztlicher Leiter des Medcenters. Es ist bruchstabil und sehr flexibel.
Gruber war bei einer Fortbildung in München und hat sich dort von der Qualität überzeugt. Ein Vorteil sei, dass sich an der Oberfläche des Materials neue Knochenzellen
anlagern, sich vermehren und den Spalt, der durch einen Bruch oder bei der Korrektur einer Fehlstellung entstanden ist, schneller schließen können.
Vorher kam Metall zum Einsatz
Er erklärt das an der rechts abgebildeten Röntgenaufnahme: Hier ist ein linkes Bein zu sehen. Die Patientin hat ein O-Bein, das korrigiert werden soll. Unter den oberen Carbonfasern, die sehr hell dargestellt sind, ist ein Spalt zu sehen. Dort wurde der Knochen aufgeschnitten und ein Keil eingesetzt. Der wird jetzt durch die Carbonfasern stabilisiert. Der Keil alleine würde nicht ausreichen. Bisher wurde als Verstärkung Metall verwendet. Das brachte jedoch den Nachteil mit sich, dass man den Patienten nicht mehr zur Magnetresonanztomographie, kurz MRT, schicken konnte. Carbon dagegen ist im MRT unproblematisch und durch sogenannte Tantalfäden, die eingearbeitet sind, beim Röntgen sichtbar.
Im vorliegenden Fall würde das Bein durch den Keil auf der linken Seite angehoben und so die O-Bein-Stellung korrigiert. „Das funktioniert wie ein Bierfilz unter dem Tisch“, erklärt Gruber lachend. Die Carbonplatte mit Schrauben wird nach der Behandlung entnommen, genau wie der Keil. Die nachgewachsenen Knochen übernehmen nun weiter die Behebung der Fehlstellung. Das leichte Carbon wurde bisher bei einer Patientin verwendet: „Die Heilung läuft vorbildlich“, berichtet Gruber.
INFO Erste Studien zur Verwendung von Carbon bei Brüchen und Fehlstellungen gibt es seit dem Jahr 2007. Die Technische Universität München unter Professor Imhof war der erste Anwender von Carbon zur Behandlung von Knochen.
Bild: red
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