27.03.2011, 11:48 Uhr
Von Eric Waha
BAYREUTH. Hochbegabt. Das klingt erst mal wie ein Urteil, wie ein Makel. Am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium (MWG) laufen jetzt die Anmeldungen für den dritten Jahrgang der Hochbegabtenklasse, die das Gymnasium oberfrankenweit als einzige Schule anbietet. Die Erfahrungen mit den beiden kleinen Klassen mit je 18 Schülern seien gut – sagt nicht nur die Direktorin des MWG, Elisabeth Götz, sondern auch Eltern, die durchaus erst mal tief durchschnaufen mussten, bevor sie ihre Kinder in die Klasse schickten.

Eltern von Kindern, die hochbegabt – oder besondere Begabungen in dem einen oder anderen Bereich mitbringen – sind „häufig nicht darüber informiert, dass es so ein Angebot gibt. Viele stellen sich auch etwas völlig Falsches vor unter einer Hochbegabtenklasse“, sagt Elisabeth Götz im Kurier-Gespräch.
Nicht elitär
Bei der Klasse, die vor zwei Jahren als oberfränkisches Modellprojekt ans MWG geholt wurde, handle es sich nicht um eine Eliteklasse, in der die Schüler abgeschottet von den vermeintlich schwächeren Normal-Schülern unterrichtet und besonders intensiv gefördert würden: „Die Schüler, die diese Klassen bei uns besuchen, sind integriert ins Schulleben. Sie fahren zusammen mit den anderen Klassen ganz normal ins Schullandheim, haben zusammen mit den jeweiligen Jahrgangskollegen Unterricht – zum Beispiel Religion –, die Wahlkurse besuchen sie ebenso gemeinsam wie Chor oder andere Angebote der Schule“, sagt Götz, die selbst in einer der Klassen unterrichtet.
Und: „Die schreiben auch nicht alle nur Einser. Allerdings liegen die Schüler im bayernweiten Vergleichstest besser als Regelklassen. Man kommt mit den Lerninhalten, die sich von denen der Regelklassen nicht unterscheiden, etwas schneller voran. Die Schüler können etwas schneller querdenken, kombinieren schneller. Die Kollegen, die dort unterrichten, können im Vergleich etwas komplexere Aufgaben stellen. Und statt der Intensivierungsstunden haben die Schüler in der Hochbegabtenklasse zum Beispiel Zeit für Projekte.“
Kleinere Klassen
Ein großer Vorteil der speziellen Klasse ist sicher auch die Größe: 18 Schüler in der aktuellen fünften Klasse, 18 Schüler in der Sechsten. Der normale Klassendurchschnitt liegt laut Götz derzeit am MWG bei 23 Schülern, in den fünften Klassen etwas höher. Dass die Schülerzahl überschaubar ist, findet auch Ursula Goßmann-Bahr einen der Pluspunkte der Hochbegabtenklasse.
Ihr Sohn Felix besucht die sechste Klasse – „und das eher aus Zufall. Er ist ein sehr interessiertes, sehr waches Kind, weil wir halt viel mit ihm gemacht haben. Ich hätte nie gedacht, dass er nicht ganz normal ins Gymnasium gehen könnte“, sagt Goßmann-Bahr fast entschuldigend. Die Grundschullehrerin habe Felix eine Information mit nach Hauses gegeben und nach der Info-Veranstaltung in der Schule sei er „so begeistert gewesen, dass er auf jeden Fall hier her wollte“, sagt sie, „wobei ich etwas unsicher war“.
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