BERLIN. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, tritt wegen der Protokoll-Affäre um Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zurück.
Er stelle sein Amt auf eigenen Wunsch zum 31. März zur Verfügung, teilte der BDI am Freitag mit. "Ich übernehme die politische Verantwortung für die Folgen einer Indiskretion,
an der ich persönlich nicht beteiligt war, um möglichen Schaden für das Verhältnis von Wirtschaft und Politik abzuwenden", begründete der frühere bayerische
Umweltminister den Schritt.
BDI-Präsident Hans-Peter Keitel sagte: "Ich zolle Werner Schnappauf hohen Respekt für seine Entscheidung und danke ihm ausdrücklich für die seit November 2007 geleistete
vertrauensvolle und erfolgreiche Arbeit."
Künftig in beratender Funktion
Schnappauf werde für den BDI auch künftig Gremienmandate wahrnehmen und dem Verband beratend zur Verfügung stehen, hieß es. Seine Aufgaben würden bis auf weiteres auf die
Mitglieder der Hauptgeschäftsführung des BDI, Dieter Schweer und Stefan Mair, aufgeteilt.
Grund des Rücktritts ist ein an die Öffentlichkeit gelangtes Protokoll eines internen Gesprächs von Brüderle beim BDI. Demnach sagte Brüderle, dass das Atom-Moratorium mit
den bevorstehenden Landtagswahlen zusammenhänge. Am Donnerstag hatte Schnappauf gesagt, es liege ein Protokollfehler vor. Brüderle sei falsch wiedergegeben worden.
Der Kurier stellte Schnappauf im Anschluss drei Fragen
Frage: Herr Schnappauf, Sie haben die politische Verantwortung für das Brüderle-Protokoll übernommen. Wo vermuten Sie die undichte Stelle? Schnappauf: Das ist nicht feststellbar. Der Kreis der Protokollempfänger ist bekannt. Es wäre absolut müßig, jetzt die undichte Stelle zu suchen. Tatsache ist,
dass es eine Indiskretion gegeben hat. Es ist inakzeptabel für die Vertrauenskultur in Deutschland. Deshalb wollte ich ein Zeichen setzen, dass es so nicht gehen kann.
Frage: Welche berufliche Perspektive steuern Sie jetzt an? Schnappauf: Darüber mache ich mir im Moment gar keine Gedanken. Das ist viel zu frisch. Ich blicke nach vorn, das Leben geht weiter.
Frage: Könnten Sie sich wieder ein Engagement in Oberfranken vorstellen? Schnappauf: Ich bin immer Oberfranke gewesen und werde mein Leben lang Oberfranke bleiben und den Menschen in der Region verbunden, insofern bin ich völlig offen, aber immer
im Herzen verbunden.
Die Fragen stellte Elmar Schatz.
dapd/Foto: pa
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