15.03.2011, 16:52 Uhr
Von Gunter Becker
BAYREUTH. Magen- und Kopfschmerzen, Erbrechen, Juckreiz und ein ständiges Müdigkeitsgefühl: Seit Anfang Dezember des vergangenen Jahres werden Manuela J. und ihre beiden minderjährigen Kinder immer wieder von Erkrankungen geplagt. Für die 30-jährige Mutter ist die Ursache klar: In allen Ecken und an den Zimmerdecken blüht seit wenigen Monaten ein Schimmelbefall, der sich ständig ausbreitet.
Sie habe es mit Chemikalien probiert, die ersten Schimmelspuren mit der Hand abgewaschen. Doch alle Bemühungen der 30-Jährigen, dem Schimmel Herr zu werden, schlugen fehl. „Wir
können jeden Morgen sehen, wie sich der Schimmel über Nacht weiter ausgebreitet hat“, sagt die Frau, „und können nichts dagegen tun.“
Zuerst war alles in Ordnung
Als die alleinerziehende Mutter mit ihren beiden kleinen Kindern im Jahre 2007 in die Wohnung am Bayernring im Stadtteil Neue Heimat einzog, war sie froh über die top sanierten Räume, die neueingebauten Kunststofffenster und die ebenfalls neue Zentralheizung. Es gab keine Probleme baulicher Art, bis zum Dezember des vergangenen Jahres. Mit dem heftigen Wintereinbruch, der auch Schnee durch das ungedämmte Dach in den feuchten Dachboden wehte, fing das Problem Schimmel in der darunter liegenden Wohnung an. „Wir haben geheizt und gelüftet, doch die Temperatur in den Räumen wurde nicht höher als 18 Grad und in den Ecken explodierte der Schimmel“, erinnert sich die Mieterin.
"Sie können nicht richtig wischen"
Hilfe fand sie auch beim Hausmeister der Wohnanlage nicht: Er habe sie angewiesen, den Schimmel wegzuwischen. Als aber auch der Einsatz von Wasser und Chemie nichts fruchtete, warf er ihr falsches Verhalten vor. „Ich könne nicht richtig wischen und wüsste nicht, wie man richtig lüftet“, erinnert sich die Frau an die ihr gegenüber erhobenen Vorwürfe. Dass nicht die Bausubstanz an der Misere schuld sei, wie die Mieterin, die von einigen weiteren Beispielen des Schimmelbefalls in umliegenden Wohnungen weiß, vermutet, belegte der Hausmeister mit einer Beprobung des Putzes. Der sei trocken und könne somit nicht Ursache sein, zeigte sich der Hausmeister überzeugt.
Erst Nachweis, dann neue Wohnung
Am liebsten würde die junge Mutter auf der Stelle ausziehen. Doch als Hartz-IV-Empfängerin sei es nicht gerade einfach, eine neue Wohnung zu finden. Ihre Anfrage bei der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Bayreuth (Gewog) sei mit dem Hinweis abgetan worden, sie müsse erst den Nachweis vorlegen, dass sie den Schimmelbefall nicht selbst verursacht habe.
Am schlimmsten aber trifft die vor zwei Jahren an Krebs erkrankte Mutter, dass ihre Töchter ihr vorwerfen, nicht aktiv genug nach einer neuen Wohnung zu suchen. Sie könnten keine Freundinnen mitbringen und ihre Kleider würden nach Schimmel stinken, klagen die Mädchen.
Zu allem Übel ist am Sonntag auch noch die Waschmaschine ausgefallen. „Das ist der Super-GAU“, sagt die Mutter. Eine neue Maschine kann sie sich nicht leisten.
Fotos: gb
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