01.03.2011, 18:04 Uhr
Von Andrea Franz
BAYREUTH. Mit Mittelmeerfeldgrillen und deren Kampfverhalten kennt sich die 15-jährige Freia-Raphaella Lorenz vom Graf-Münster-Gymnasium (GMG) bestens aus. Die Schülerin aus Glashütten ergatterte beim Regionalentscheid des Wettbewerbs „Jugend forscht“ in Eggolsheim im Fachbereich Biologie den ersten Platz. Ihr Arbeitsthema: „Senkt ein Refugium generell das Aggressionsniveau?“
„Ich habe vor einiger Zeit mal etwas über Grillenkämpfe in China gelesen. Das hat mich total interessiert. Dort sind sie ähnlich unseren Hahnenkämpfen. Es gibt sogar extra Geschäfte, wo man Grillen und Zubehör für die Kämpfe kaufen kann“, erzählt Freia-Raphaella. Und schon war die Idee für ihr Projekt geboren.
Die 15-Jährige nahm dazu Grillen-Männchen genau unter die Lupe und versorgte eines mit einer künstlichen Höhle, in diesem Fall einer Papierrolle. Die andere Grille musste ohne
Behausung auskommen. Nach einigen Tagen in Einzelhaltung ließ die Schülerin die beiden Grillen aufeinander los und beobachtete die Kampfgebärden der Tiere. Wichtig sei, dass die
Kämpfe auf neutralem Gebiet passierten, also einem Terrain, das noch keinem gehöre.
Grillen ohne Haus sind aggressiver
„Eigentlich würde man erwarten, dass die Grille mit Haus ein aggressiveres Kampfverhalten zeigt, um ihr Terrain zu verteidigen. Doch entgegen meiner Erwartung war die Grille ohne Haus viel aggressiver im Kampf und gewann in den meisten Fällen“, sagt Freia-Raphaella. Beim diesjährigen Wettbewerb setzte sie noch ein i-Tüpfelchen auf ihr tierisches Experiment. Beschränkten sich die Untersuchungen bisher auf heterogene Kämpfe, also mit Tieren aus verschiedenartigen Haltungen (mit und ohne Haus), ließ die Schülerin in diesem Jahr Tiere aus gleichen Haltungen gegeneinander antreten. Grillen mit Haus kämpften dabei gegen Grillen mit Haus und Tiere ohne Haus gegen Artgenossen ohne Haus. Dabei spricht man von homogenen Kämpfen.
„Meinen bisherigen Ergebnissen zur Folge hätte ich erwartet, dass bei diesen Verhaltenstests ebenfalls die Tiere ohne Höhle aggressiver sind. Doch das war nicht so.“
Der Kampf um den Besitz
Die Schülerin geht davon aus, dass die Grillen auf irgendeine Art und Weise merken, ob der Kampfgegner einen Besitz, also eine Höhle, hat oder nicht. „In Kampfstufe zwei ist beispielsweise das Antennenfechten zu beobachten. Dabei findet ein Informationsaustausch der Tiere statt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie die Grillen währenddessen mitteilen, dass sie einen Besitz, also eine Höhle, haben“, erklärt die Forscherin.
Vom Dienstag, 5., bis Donnerstag, 7. April, tritt Freia-Raphaella beim Landeswettbewerb in Würzburg gegen junge Forscher aus ganz Bayern an. Ob sich ihre Grillen auch dort wieder nach ganz oben kämpfen, wird die Jury entscheiden. „Ich rechne mir keine großen Chancen aus. Dort machen auch viele ältere Schüler mit und die Konkurrenz ist größer“, sagt die Schülerin bescheiden.
Foto: red
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