27.02.2011, 12:09 Uhr
Von Heike Hampl
BAYREUTH. Ein Karneval der besonderen Art hat am Samstagabend beinahe 100 Menschen ins Prinzessinnenhaus in St. Georgen gelockt. Getreu des italienischen Vorbildes feierten die maskierten Gäste einen „Carnevale di Venezia“ – den ersten venezianischen Maskenball in Bayreuth.
Prunkvolle Kleider und extravagente Ganzmasken
Die Kulisse hätte nicht passender sein können. Der Saal im oberen Stockwerk des Prinzessinnenhauses atmet durch seine dicken, dunkelrosa gestrichenen Wände und sein Deckengemälde aus der Markgrafenzeit Geschichte. Die Klänge der Musik drehen die Zeit Jahrhunderte zurück. Nach und nach treffen die Gäste ein, die Masken bedecken neckisch das halbe oder das ganze Gesicht. Prunkvolle, ausladende Kleider runden die Kostümierung ab. Wer an diesem Abend eine Ganzmaske, eine sogenannte Bauta, die nur die Augen freilegt und ein vorgewölbtes Kinn hat, trägt, der zieht die Blicke besonders auf sich.
Sissy Thammer führt durch den Abend
Wer steckt hinter der Maske? Kennt man sich? Spekuliert wird zu Beginn des Abends viel über die Identitäten der Kostümierten. Sissy Thammer führt durch den mystischen Abend. "Das ich kann zu Hause bleiben, heute Nacht seid ihr alle gleich, ob arm, oder reich! Lebt eure höfischen Gelüste!“, ruft sie in die Menge und gibt in ihrer Funktion als Haushofmeister den ersten Tanz frei. Die Tanzpaare finden sich an diesem Abend auf kuriose Weise zusammen: Ein Harlekin verteilt Obst und Gemüse, von jeder Sorte zwei an jeweils einen Mann und eine Frau. Wer nun die gleiche Frucht in Händen hält, findet sich zum Tanz zusammen.
Tanzende Theatermasken
Die Gruppe Spettacolo Cortigiano wirbelt mit einstudierten Tänzen, die teils schon Jahrhunderte alt sind, durch den Saal und macht das historische Spektakel komplett. Die Gli Azzurini sind
an diesem Abend ein Quell der Langsamkeit. In prächtigen blauen Gewändern bewegen sich die lebenden Statuen kaum oder nur sehr langsam, schwer ist es, seinen Blick von ihnen und ihrem
unheimlichen Anmut zu reißen.
Ein weiteres Kuriosum wartet im Untergeschoss auf die maskierten Gäste. In völliger Dunkelheit verzaubert das Schwarzlichttheater Theatro Magica Moretto die Sinne. Die Darsteller, eine Gruppe um Ute Baumann, Kunstpädagogin aus Waischenfeld, lassen leuchtende Schmetterlinge flattern, bereichern den venezianischen Abend mit tanzenden Theatermasken und faszinierender Pantomime mit schneeweißen Handschuhen.
Fotos: Ritter
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