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07.02.2011, 22:02 Uhr

 

Landwirte über Ferkelkastration und Brandzeichen für Pferde

BAYREUTH/PEGNITZ. Überzeugt äußerte sich gestern niemand über die Vorschläge, mit denen Agrarministerin Ilse Aigner den Tierschutz in der Landwirtschaft verbessern will. Die Initiative sieht vor, Brandzeichen für Pferde, die Ferkelkastration ohne Betäubung und die Käfighaltung für Hühner zu verbieten. Nach Ansicht der befragten Tierhalter will sich die Ministerin vor allem Luft in politischer Bedrängnis verschaffen.

 

60 Millionen Schweine wurden 2010 geschlachtet. Die Hälfte davon waren kastrierte Eber. Foto: dpa
"Kennung muss sein", sagt der erfolgreiche Reiter und Landwirt Klaus Eisenmann, der bei Fürsetz seinen Hof hat. Ein Pferd sei nun mal ein höherwertiges Wirtschaftsgut und das müsse man genau erkennen können. Angesichts der aufkommenden Diskussion über das Brandzeichen winkt Eisenmann ab. "Es ist müßig, darüber zu diskutieren. Wir leben in Deutschland." Will sagen: Die Landwirte würden ohnehin mit Gesetzen und Verordnungen überhäuft, die jüngste Verschärfung des Tierschutzes sei eine weitere Episode aus dem Landwirtschaftsministerium und solle vermutlich der Ministerin, die im Zuge des Dioxin-Skandals in politische Schwierigkeiten geriet, aus der Klemme helfen. Alternativlos ist das Brandzeichen für den Reiter Eisenmann allerdings nicht. Er spricht auch über den Chip, der Pferden unter das Fell implantiert werden kann. Aber: "Die Frage ist doch, ob das dem Pferd weniger Schmerzen bereitet."

"Ohne Kastrieren geht es nicht"

Welche Ausmaße die Tierschutzvorstellungen der Ministerin in der Schweineproduktion haben, verdeutlichen die Agraringenieurin Iris Meyer und ihr Bruder Andreas Meyer, Landwirtschaftsmeister. Sie betreiben ihren Ferkelzuchtbetrieb in Zips bei Pegnitz. Nach ihren Worten wurden im Jahr 2010 rund 60 Millionen Schweine geschlachtet, die Hälfte davon kastrierte Eber.

Pro Woche werden auf dem Hof der Meyers rund 80 Ferkel kastriert, wie Iris Meyer sagt. Den drei Tage alten Tieren werde dazu ein Schmerzmittel hinterm Ohr intramuskulär gespritzt. "Ohne Kastrieren geht es nicht", sagt die junge Landwirtin, denn der strenge Duft des Eberfleisches mache seine Vermarktung in Deutschland unmöglich. Anders übrigens die Genussgewohnheiten in England und Spanien. Dort werde auch Eberfleisch zubereitet.

Die Kastration eines Ferkels mit Betäubung werfe viele Probleme und Risiken auf, so Andreas Meyer. Dabei müsse ein Tierarzt tätig werden und außerdem bestehe das Risiko, dass die Ferkel nicht mehr aufwachen. Für das nun erneut aufgeworfene Problem der Ferkelkastration sehen die Meyers zwei Lösungen: Einerseits müssten Absatzwege für Eberfleisch geschaffen werden, andererseits könnte man die kleinen Eber mit einem Proteinpräparat behandeln. "Das wird zweimal gespritzt und stoppt das Wachstum der Hoden", erklärt Andreas Meyer.

Aigner stehe unter Druck

Dass die Ministerin gerade jetzt mit neuerlichen Tierschutzvorschriften für die Landwirte kommt, das hat nach Ansicht der jungen Betriebsinhaber eine Ursache: Sie steht unter dem politischen Druck der Tierschutzorganisationen und will sich nach dem DioxinSkandal erst einmal Luft verschaffen.

Ähnlich sieht auch Renate Edelmann, Tierheilpraktikerin und Autorin aus Bayreuth, die Situation. Für sie liegt auf der Hand, dass sich Ministerin Aigner mit ihrem Vorstoß zunächst Luft verschaffen will, weil der öffentliche Druck nach dem Dioxin-Skandal sehr hoch war.

"Tiere, mit denen Geld verdient wird, werden in Deutschland nicht tiergerecht behandelt", sagt sie und meint damit die Massentierhaltung, bei der einiges im Argen liege. Wirkungsvoller Tierschutz verlange nach einer europäischen Gesetzgebung, denn Europa sei der Markt. Im April 2007, kurz vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm appellierte Renate Edelmann schriftlich an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Massentierhaltung gesetzlich besser zu regeln. Die Tierschützerin musste sich damals mit einer Antwort aus dem Kanzleramt vertrösten lassen, wonach eine Tierhaltung angestrebt werde, die der Wirtschaftlichkeit und dem Tierschutz gleichermaßen gerecht werde.

Renate Edelmann zur jüngsten Aigner-Initiative: "Der Tierschutz liegt in der Odelgrube." Aigners deutscher Alleingang habe allein den Zweck, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Das vollständige Verbot der Käfighaltung für Hühner sei eine "Wischiwaschi"-Lösung, die nicht weiterhelfe. Die Betriebe könnten im benachbarten Polen und Tschechien weitermachen. Was her müsse, seien klar Richtlinien und drastischen Strafen auf europäischer Ebene.

ub




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