20.01.2011, 13:29 Uhr
Von Christina Knorz
BAYREUTH. Das Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung wächst. Die Oberfrankenstiftung hat mal wieder tief in die Tasche gegriffen, um Blätter aus der Feder Wagners für Forschung und Öffentlichkeit zu sichern. Bei einer Pressekonferenz gestern Vormittag wurden die 68 Neuerwerbungen im Siegfried-Wagner-Haus präsentiert.
Prunkstücke sind zwei Konzertbearbeitungen und zwei bisher unveröffentlichte Briefe (Kostenpunkt: knapp 80 000 Euro). 1862 dirigierte Wagner – ein „Meister in Eigenwerbung“, wie es Museumsdirektor Dr. Sven Friedrich formulierte – Konzerte in Wien mit besonders wirksamen „Ring“-Passagen. Darunter auch den Raub des Rheingolds, Ende erster, Anfang zweiter Akt. Auf einem anderen Blatt steht ein überarbeiteter Konzertschluss für das „Tristan“-Vorspiel, geschrieben am 7. Dezember 1859. „Die mussten wir haben“, betont Friedrich. Denn wie Wagner selbst mit seinen eigenen Kompositionen in der Bearbeitung für Konzerte umging, sei als Quelle für die Forschung aufschlussreich. „Er ging nicht gerade zimperlich an seine eigenen Sachen heran“, erläutert Friedrich. Die beiden bis dato unveröffentlichten Briefe – an Moritz Hauptmann vom 10. November 1843 und an Julius Benedict vom 3. September 1844 – seien eben deshalb interessant. Wagner habe mehr als 10 000 Briefe verfasst – „und es tauchen immer neue auf“.
Da künftig die Rezeption Wagners und seine Wirkungsgeschichte in den Forschungsfokus rücken soll, seien die 64 Autographen aus dem Nachlass Heinrich von Steins interessant (15 000 Euro) – mit Korrespondenzen aus dem engsten Wahnfried-Umfeld.
Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl dankte in Richtung Regierungspräsident Wilhelm Wenning und Eckhard Wiltsch der Oberfrankenstiftung für den Erwerb. Die Blätter werden dem Richard-Wagner-Nationalarchiv als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.
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