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29.12.2010, 20:02 Uhr

 

Wirtschaftsmagazin „Impulse“ berichtet über Bauunternehmer Siegfried Schulz

Von Udo Fürst

SPEICHERSDORF. „Ausgeliefert“ ist ein sieben Seiten füllender und großflächig bebilderter Artikel in der Januar-Ausgabe des Unternehmermagazins „Impulse“ überschrieben – er handelt von einer Geschichte aus Speichersdorf, von einem jahrelangen „Konflikt zwischen dem Bauunternehmer Siegfried Schulz und der Raiffeisenbank am Kulm“, wie das in Hamburg beheimatete Heft schreibt. Und weiter: „Ein Lehrstück über Abhängigkeit. Und die Kunst, wieder neu zu beginnen.“

 

Der gebürtige Windischenlaibacher Siegfried Schulz ist Bauunternehmer. 1994, als er die Meisterprüfung abgelegt hatte, gründete der damals 30-Jährige die „Schulz GmbH“. Die Firma boomte, das Geschäft lief gut, Schulz bekam genügend Aufträge in einer Zeit, als noch gebaut wurde.

So war auch die Beschaffung des Startkapitals für den Jungunternehmer kein Problem. Die örtliche Raiffeisenbank vermittelte Schulz Darlehen für Maschinen, einen Kran und ein Firmengebäude mit niedrigen Tilgungsraten.

Als nach einigen Jahren die Raten immer höher und Schulz immer ratloser wurde, wie er die Kredite zurückzahlen soll, hatte der damalige Bankchef Richard König eine Idee, steht in dem Bericht. Er habe seinem Kunden ein Auffangdarlehen versprochen, mit dem die Rückzahlung der anderen Kredite in Höhe von umgerechnet mehreren hunderttausend Euro gesichert werden könne. Das Problem dabei: König und Schulz einigten sich per Handschlag, ein schriftlicher Vertrag sollte erst später gemacht werden.

Zunächst habe das keine große Rolle gespielt, die Baufirma expandierte, beschäftigte Ende der 90er-Jahre mehr als 30 Mitarbeiter und machte laut Schulz umgerechnet etwa 1,5 Millionen Euro Umsatz. Vorläufiger Höhepunkt in der Ära des Unternehmens war zur Jahrtausendwende der Bau des Rathauses und des gegenüberliegenden Wohn- und Geschäftskomplexes in Speichersdorf.

„Die ganze Malaise begann, als König im Jahr 2000 in den Ruhestand ging und ihm Edmund Kopp als Chef folgte“, erzählt Schulz. Kopp habe von dem Auffangdarlehen nichts wissen wollen, es gab ja auch keinen schriftlichen Vertrag. Der frühere Bankchef Richard König will sich zu der Sache nicht äußern.

Ein Hin und Her

Nach längerem Hin und Her habe die Raiffeisenbank in Person ihres Vorstandsvorsitzenden Edmund Kopp im April 2004 dann doch einem Auffangdarlehen zugestimmt, berichtet „Impulse“.

Durch die Tilgungsstreckung bis 2015 gewann Schulz wieder mehr finanziellen Spielraum, doch schon ein Jahr später habe es wieder Ärger gegeben. Der Bauunternehmer sollte 60 Prozent (etwa 70 000 Euro) des Erlöses aus einem Wohnungsverkauf als Sondertilgung zurückzahlen. „Dazu wurde ich gezwungen. Andernfalls wollte die Bank die auf der Immobilie lastende Grundschuld nicht freigeben“, sagt Schulz.

Als nächstes habe die Bank von ihm verlangt, Kontoüberziehungen unverzüglich auszugleichen. Daraufhin habe er die Tilgungszahlungen eingestellt. „Das hätten die ja mit der Sondertilgung verrechnen können.“

Spätestens von diesem Zeitpunkt an sei das Tischtuch zwischen Siegfried Schulz und Edmund Kopp endgültig zerschnitten gewesen. Freunde waren die beiden Männer ohnehin nie.

Sowohl Schulz‘ Steuerberater als auch frühere Mitarbeiter können sich noch gut an mehrere verbale Auseinandersetzungen erinnern: „Schulz hat Kopp am Telefon öfter derb beschimpft. Da sind die Fetzen geflogen“, erinnert sich ein einstiger Weggefährte des Unternehmers, der nicht namentlich genannt werden will. Am 20. Oktober 2005 schließlich habe die Bank den Ausgleich des Kontos bis zum 2. November und die Zahlung der fälligen Tilgungsraten gefordert.

Als Reaktion habe Schulz einen zehnseitigen Beschwerdebrief an die Finanzaufsicht Bafin mit einer Kopie an die Raiffeisenbank am Kulm geschrieben. Noch am selben Tag kündigte die Raiffeisenbank die Geschäftsbeziehung zu Schulz, leitete zudem Zwangsversteigerungen ein, um die Sicherheiten für die Kredite auszulösen.

Für die Baufirma begann eine harte Zeit – ohne Konto und Kredit. Rechnungen und Löhne mussten sozusagen aus der Tageskasse bezahlt werden. „Wir lebten praktisch von der Hand in den Mund“, erinnert sich der Windischenlaibacher. Von der Bafin habe er zudem die Auskunft bekommen, dass sie keinen Anlass für eine aufsichtsrechtliche Überprüfung der Bank sehe, da es sich um rein zivilrechtliche Fragen handle.

Gut zwei Jahre hangelte sich Siegfried Schulz mit seiner Firma mehr schlecht als recht von Auftrag zu Auftrag, ehe im März 2008 ein Licht am Ende des Tunnels auftauchte: die Bank nahm ihre Kündigung überraschend zurück und Schulz erhielt einen Großauftrag für das Projekt „Hütten am See“, eine Siedlung für US-Soldaten. 150 Doppelhäuser sollte er dort bauen, mit einem Gesamtvolumen von 70 Millionen Euro.

Harte Zeit

Doch wieder erwies sich das Schicksal nicht als Freund des Bauunternehmers. Sein Auftraggeber meldete Insolvenz an, Schulz blieb auf 250 000 Euro sitzen, konnte seine Kredite nicht mehr bedienen, woraufhin die Raiffeisenbank erneut die Geschäftsbeziehungen kündigte. Zudem wurde die Zwangsversteigerung von Firmengrundstück und Fuhrpark eingeleitet. Schulz blieb nur die Insolvenz, „eine verdammt harte Zeit“, wie er sich erinnert.

Zusammen mit einer auf Firmensanierungen spezialisierten Kanzlei fasste Schulz folgenden Plan: Für seine Firma sollte die Insolvenz beantragt werden, wobei das Firmengebäude und der Fuhrpark Schulz persönlich gehörten und dieses Vermögen so erhalten werden konnte, falls es nicht zur Zwangsversteigerung käme.

Als Käufer präsentierte Schulz seine Lebensgefährtin, seinen Steuerberater und einen Anwalt. Der Kaufpreis sollte sämtliche Verbindlichkeiten bei der Raiffeisenbank decken. Doch trotz anfänglicher Zusagen von Bankchef Edmund Kopp sei der Kauf letztlich gescheitert, weil die Bank plötzlich „zeitlich unerfüllbare Bedingungen“ gestellt habe.

So kam es am 19. Mai zum Zwangsversteigerungstermin vor dem Amtsgericht Bayreuth mit einer „nicht sehr freundlichen Begegnung zwischen Kopp und Schulz“, erinnert sich eine Prozessbeobachterin. Die Wende leitete der Steuerberater ein: Er drohte der Bank mit einer Schadensersatzklage für den Fall, dass er das Grundstück nicht kaufen könne. Daraufhin wurde das Verfahren ausgesetzt, der Kauf ging über die Bühne, der Weg war frei für einen Neuanfang.

Heute residiert auf dem früheren Gelände der „Schulz GmbH“ die „Easy-Tact GmbH“ mit Schulz‘ Lebensgefährtin als Geschäftsführerin. „Die Auftragslage ist gut“, freut sich Prokurist Siegfried Schulz auf Kurier-Nachfrage. Unter anderem baue man das neue Einkaufszentrum am Ortsrand von Speichersdorf und habe bereits wieder einen Stamm von 18, 19 Mitarbeitern. „Wir gehen sehr optimistisch ins neue Jahr“, sagt Schulz.

Symbolbild: pa




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