KASENDORF. Ein Kontrafagott im Blasorchester? Nichts ungewöhnliches, sofern es sich wie bei dem Großen Blasorchester des Musikvereins Kasendorf um ein Sinfonisches Blasorchester handelt. Das „GBO“, wie es kurz genannt wird, ist das musikalische Aushängeschild des mehr als 400 Mitglieder zählenden Vereins, von denen rund ein Drittel aktiv in einem der Orchester oder Ensembles spielt.
Hoch gelobt und viel bejubelt sind die Auftritte der 70 Frauen, Männer und Jugendlichen umfassenden Formation, dennoch sitzen die Musiker mit ihrem Kapellmeister Thomas Eschenbacher
musikalisch oft zwischen den Stühlen. Denn sinfonische Blasmusik bewegt sich weit weg von der auf Volksfesten und bei Festumzügen gängigen Volksmusik. Im Repertoire des GBO finden
sich nur wenige der typischen Märsche und Polkas, dagegen überwiegend klassische und moderne Blasmusikstücke, Swing, Filmmusik oder auch rockige Stücke. Da kann es schon mal
vorkommen, dass Konzertbesucher ein wenig enttäuscht sind, die bei dem Namen Blasorchester vor allem Festzelt-Musik erwartet hatten. Dabei spielen die Musiker auf höchstem Niveau: seit
Jahren stellen sie sich mit großem Erfolg bei überregionalen Wertungsspielen dem Urteil der Wertungsrichter, etwa beim Landesmusikfest in München.
Angefangen hat alles vor 108 Jahren. 31
musikbegeisterte Männer gründeten im Jahre 1902 in der „Eschenbacherschen Wirtschaft“ den Musikverein. Damit die 17 von ihnen, die gleich aktiv werden wollten, nicht lange
warten mussten, stiftete der Privatier Eberhardt Maisel „zum Aufkommen des Vereins“, wie es in der Chronik heißt, ein Bombardon. Zur Beschaffung von Instrumenten zeichneten die
Mitglieder 63 Aktien zu je fünf Mark. Als Vorsitzender fungierte damals Friedrich Kolb aus Kasendorf, als erster Kapellmeister führte Georg Buch aus Lindenberg den Taktstock.
Schlag auf Schlag
Dem Aufschwung in den ersten Jahrzehnten folgte – wie bei so vielen Vereinen – das völlige Aus im Zweiten Weltkrieg. Nur mühsam ging der Neuanfang vonstatten: 1948 wurden
unter der musikalischen Leitung von Hermann Drescher und Günter Schmidt die ersten Übungen in der ehemaligen Schulküche aufgenommen, auf teilweise schrottreifen Instrumenten. Danach
ging es Schlag auf Schlag. Auszeichnungen und die Ausrichtung von mehreren Musikfesten auf unterschiedlichen Ebenen füllen die Historie des stetig wachsenden Vereins. Der Markstein in der
Vereinsgeschichte ist das Jahr 1974 mit der Gründung des Jugendblasorchesters mit rund 70 Buben und Mädchen. Auslöser war ein Kreismusikfest, erinnert sich Thomas Eschenbacher. Der
Verein unternahm enorme Anstrengungen, um den Kindern und Jugendlichen eine solide musikalische Ausbildung zu ermöglichen. Allein die Anschaffung der Instrumente für so viele
Musikbegeisterte stellte ein Problem dar. 1986 wurde dem Verein für dieses Engagement der Kulturpreis des Landkreises Kulmbach verliehen.
Einer, der damals selbst dazu zählte, ist Eschenbacher, der die Leitung von dem langjährigen Kapellmeister Georg Reichel übernahm. Besonders stolz ist er darauf, dass alle Mitglieder
des Großen Blasorchesters aus dem Verein stammen und nicht wie bei vielen anderen Vereinen üblich das Orchester für Konzerte oder Wertungsspiele mit vereinsfremden Musikern
aufgestockt wird.
Das GBO in seiner jetzigen Form existiert seit 1998, als die Mitglieder des Jugendblasorchesters langsam ins etwas gesetztere Alter kamen und ein neuer Name für das sinfonische Blasorchester
gefunden werden musste. Auch die bis dato als „Seniorenkapelle“ bezeichnete Blaskapelle nannte sich in „Kasendorfer Musikanten“ um und sorgt seitdem mit traditioneller
Blasmusik auf Festen für Stimmung.
hes/Foto: red
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