BAYREUTH. Ein zweites kleines Weihnachtsgeschäft im Jahresumsatzkalender, das seien die Bayreuther Festspiele für die heimische Wirtschaft. So sieht das zumindest Berthold Hoffmann, Inhaber von Juwelier Heyder in der Opernstraße. Aber auch die Hoteliers sind zufrieden mit der nun zu Ende gegangenen Saison. Über das schlechte Wetter freuten sich Händler wie Hotels mit Restaurantbetrieb.
Elisabeth Graf hilft im Hotel Goldener Anker beim Gepäck. Foto: Ritter
Durch das Regenwetter seien die Festspielgäste in der Stadt geblieben und nicht ins Umland gefahren. „Das hat uns unterstützt“, sagt Berthold Hoffmann. Zur Festspielzeit mache
er doppelt so viel Umsatz wie sonst – zur Weihnachtszeit freilich ein Vielfaches. Wenn andernorts im Sommer das Geschäft der Juweliere einbreche, stehe er in Bayreuth gut da. „Ein
Sommerloch kennen wir nicht, in diesem Jahr war es sogar noch besser als im Vorjahr.“ Darüber hinaus hat Hoffmann besondere Wagner-Kunden: Nur in diesem Laden werden die Abzeichen der
Richard-Wagner-Verbände verkauft – während der Festspielzeit zuhauf – und im übrigen Jahr weltweit verschickt.
Auch für Anneliese Wiesend und ihr Geschäft Damenmoden Witzler ist die Festspielzeit eine tragende Säule in der guten Jahresbilanz. „Die Festspielgäste gleichen das aus,
was mir an hiesigen Stammkunden während des Sommers fehlt.“ Der August sei in der Modebranche durch die Urlaubszeit landläufig ein eher schwieriger Monat.
Die Hotelbranche freut sich: „2010 war ein super Jahr und wir waren zu 98 Prozent ausgelastet“, so das Fazit von Marlene Keßler, Direktorin des Arvena-Kongresshotels. Die
fehlenden zwei Prozent seien durch ein paar spielfreie Tage entstanden. Im Arvena war neben dem amerikanischen Botschafter Philip D. Murphy auch Schauspielerin Veronica Ferres mit ihrem
Lebensgefährten Carsten Maschmeyer zu Gast; durch die hohe Sicherheitsstufe für den Botschafter entstanden mitunter Behinderungen für die anderen Gäste, aber das gehöre nun
mal zum Hotelbetrieb mit besonderen Besuchern. Über den Regen zur Festspielzeit freute sich die Hoteldirektorin: „Dadurch kamen mehr Besucher ins Restaurant und gingen nicht in einen
Biergarten.“
Auch der Geschäftsführerin des Hotels Lohmühle, Martina Groh-Walter, kam das schlechte Wetter aus diesem Grund gerade recht. Und dass der „Ring“ im nächsten Jahr
nicht auf dem Spielplan steht, sieht sie nicht nur negativ: „Dann können wir besser mit den Reservierungen umgehen, da es dann nicht so kompliziert ist, das Hotel gut
auszulasten.“
Beliebt bei Festspielbesuchern und -mitwirkenden ist die Gastwirtschaft Auf der Theta. „Wir hatten auch in diesem Jahr wieder interessante Gäste“, sagt Inhaberin Samia Sultan auf
Anfrage. Sie erinnere sich gern an „den sehr sympathischen Christoph Schlingensief“, der früher gerne in Theta einkehrte. „Schade, dass er gestorben ist.“ Im Juni und
Juli sei das Geschäft aufgrund der Festspiele angezogen; zu den Stammgästen gesellten sich viele Auswärtige. Der nasse August sei für den Biergartenbetrieb hingegen schlecht
gewesen. Dennoch sei sie zufrieden, bilanziert Samia Sultan.
Auch Matthias Handel, Inhaber des Goldenen Ankers, freut sich über eine seit Jahren konstante Auslastung während der Festspielzeit. „Es herrschte wie jedes Jahr der ganz normale
Ausnahmezustand.“ Zwar werde er während der Festspiele mit hohen Ansprüchen konfrontiert, dies sei aber eine Herausforderung, die man gerne annehme.
Nicht zuletzt für die Taxibranche war der feuchte Monat August eher von Vorteil. Und auch während der langen Pausen zwischen den Akten der Opern machten sie immer mal wieder ein
Geschäft – zum Beispiel, wenn der ein oder andere Wagner-Anhänger die „Meistersinger“ oder den „Lohengrin“ vorzeitig verließ, wie ein Taxler
verriet.
ck, sg, pp, ue
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