Es gilt für viele Jugendliche als wichtiger Vertrauter: das Tagebuch. In ihm finden sich oft Dinge, die sonst niemand erfährt. Die moderne Variante ist der Internetblog. Intime Details sind darin aber schlecht aufgehoben. Denn jeder kann mitlesen und auch kommentieren.
Die erste große Liebe, der Kuss mit dem Schwarm – all das sind Erlebnisse, die sich perfekt dazu eignen, aufgeschrieben zu werden. Ein Tagebuch kann aber nicht nur helfen, Gefühle
zu verarbeiten, sondern spendet nach traurigen Ereignissen auch Trost. Für viele ist in Zeiten der Internetblogs die klassische Variante mit Einband kaum noch zeitgemäß.
Fleißige Tagebuchschreiber sehen das jedoch anders.
Comedy-Star Mirja Boes hat ihre inzwischen sogar als Buch („Boes Tagebücher – Unaussprechlich peinlich“) veröffentlicht. Mit dem Schreiben hat die Kölnerin sehr
früh angefangen. „Schon mit acht Jahren“, erzählt Boes und fügt hinzu: „Eigentlich schreibe ich bis heute.“ Auf die Idee, ein Tagebuch zu schreiben, sei sie
damals aber nicht selbst gekommen. „Mein erstes Exemplar habe ich von meiner damaligen besten Freundin bekommen.“
Bis heute hat das Tagebuch kaum an Beliebtheit eingebüßt, weiß Marthe Anna Kniep vom Dr. Sommer-Team der Jugendzeitschrift „Bravo“ in München. „Es gibt immer
noch viele Mädchen und sogar einige Jungs, die Tagebuch schreiben“ so Kniep. Beliebt seien dabei die ganz normalen aus Papier. „Der kreativen Gestaltung sind dabei keine Grenzen
gesetzt. Man kann sie mit bunten Aufklebern dekorieren oder Fotos einkleben“, sagt die Pädagogin.
Genauso vielfältig wie die Gestaltungsmöglichkeiten ist der Inhalt. „In ein Tagebuch kann man alles reinschreiben, was in 24 Stunden so passiert, was man träumt, welche
Gedanken einem gerade durch den Kopf gehen“, sagt Kniep. Dazu kommen Fantasien, Wünsche und alles, was jeder am liebsten selbst mit sich ausmacht. „Viele vertrauen ihrem Tagebuch
die intimsten Gedanken an und kaufen sich darum lieber eins zum Abschließen.“ Gerade, wenn die Intimsphäre zu Hause nicht immer so gewahrt wird, sei diese Ausführung besser,
rät Kniep.
Obwohl sich mit Hilfe eines Tagebuchs vieles von der Seele schreiben lässt, ersetzt es keine sozialen Kontakte. „Leider gibt es viele Jungs und Mädchen, die keinen guten Draht zu
ihrer Familie haben und darum vieles mit sich allein ausmachen“, sagt Sozialpädagogin und TV-Super Nanny Katia Saalfrank. Trotzdem sollte keiner mit seinen Sorgen und Problemen alleine
bleiben, so die Berlinerin weiter. „Die beste Freundin oder der Kumpel hören sicher auch gern zu.“ Das Schreiben eigne sich dagegen sehr gut, um mit Dingen besser klarzukommen,
glaubt Marthe Anna Kniep. „Gedanken, die man schriftlich festhält, kann man besser Revue passieren lassen.“ Außerdem hilft es, sich zu besinnen und seine Gefühle zu
ergründen, da man sich auf diese Weise mit dem Erlebten beschäftigt. Darum komme das Tagebuch auch nie aus der Mode, glaubt Kniep.
Trotzdem muss sich nicht jedes Erlebnis auch im Tagebuch wieder finden. „Tagebuch schreiben ist keine Pflicht. Man kann ja selber entscheiden, wann man was hineinschreibt“, sagt Mirja
Boes. Auch Marthe Anna Kniep ist der Meinung, dass sich niemand selbst unter Druck setzen sollte, indem er glaubt, jeden Tag eine Eintragung machen zu müssen. „Es kann ja auch ein Buch
für ganz besondere Erlebnisse sein.“
Obwohl das Internet eine wichtige Rolle spielt, ist ein Blog, der von vielen oft als virtuelles Tagebuch genutzt wird, für Mirja Boes keine Alternative. „Ich finde, es geht gar nichts
über das gute alte Tagebuch in Rosa mit Schloss dran“, sagt die Comedy-Queen. Ein Internetblog, so Marthe Anna Kniep, habe außerdem einen entscheidenden Nachteil: „Andere
können mitlesen, ihre Kommentare dazu schreiben und diskutieren.“ Diese Reaktionen seien zwar oft erwünscht, aber nicht immer gut für den Verfasser der Einträge.
„Wer allzu viel von sich preisgibt, kann auch zur Zielscheibe negativer Kommentare werden. Gerade junge Menschen lassen sich von Kritik schnell verunsichern.“ Wer dagegen Tagebuch
schreibt, kann selbst entscheiden, ob andere die Einträge lesen sollen oder die intimen Gedanken lieber geheim bleiben.
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