BAYREUTH. Bis auf den Kampf mit Wetter und Kälte, der etliche Teilnehmer des Festivals junger Künstler aus sonnigeren Regionen kränkelnd zum Opfer fielen, zieht Intendantin Sissy Thammer eine sehr positive Bilanz des 60. Festivals. Durch Kooperationen mit Türksoy und der Stiftung Podium junger Musiker seien Künstler aus noch ferneren Ländern als bisher nach Bayreuth gereist. Die beeindruckende Bilanz zählt 500 Teilnehmer aus 38 Nationen.
Durch die Kooperationen konnten rückläufige Mittel der öffentlichen Hand aufgefangen werden. Mehr noch: „Wir waren qualitativ hochwertig und internationaler denn je“,
sagt Thammer. Mit Künstlern aus Jemen, Libanon und Syrien, aber auch aus Irak, Iran, Jordanien und Marokko. Durch die internationale Organisation Türksoy, die an das türkische
Kultusministerium angeschlossen ist und kulturelle Brücken zu den Turkstaaten schlagen soll, wurde das internationale Netzwerk in diese Richtung erweitert. Dadurch konnten auch Baschkiren,
Turkmenen, Aserbaidschaner, Tataren und Kirgisen nach Bayreuth reisen. Der Kontakt zwischen dem Festival und Türksoy kommt durch den heutigen Präsidenten der Organisation und ehemaligen
Festival-Teilnehmer Professor Dusan Kaseinov zustande.
Härtere Bandagen seien in der Auswahl der Musiker angelegt worden – „die höhere Qualität hat mir gut gefallen“, sagt Thammer. Bei Vorspielen in 13 Städten
mussten sich die Musiker bewerben; Austragungsorte waren neben Bayreuth und Berlin auch Maastricht, Amsterdam, London, Cluj in Rumänien, Minsk, St. Petersburg und Belgrad.
„Wir wollen für das Neue und das Experiment da sein“, betont die Festival-Chefin. Deshalb werde das Projekt Orient meets Okzident auch im nächsten Jahr fortgesetzt. Dann soll
die nordische Erzählung „Odins Tochter“ in west-östlicher Besetzung musikalisch umgesetzt werden. 2011 setzt das Festival außerdem einen Schwerpunkt auf Liszt und wird
Lorin Maazels „Ring ohne Worte“ aufführen.
Die Zusammenarbeit mit dem Pariser Festival Voix étouffées soll, die Finanzierung vorausgesetzt, weitergehen. Mit einer konzertanten Aufführung von Victor Ullmans „Der
Kaiser von Atlantis“ setzten die Franzosen einen Glanzpunkt des Festivals. Auch die gute Verbindung mit Türksoy soll im nächsten Jahr weiter Früchte tragen.
Das Festival junger Künstler überzog in den vergangenen vier Wochen Bayreuth und die Region mit einem Netz aus Musik. Die internationalen Künstler spielten 100 Konzerte, Events und
Open Airs. Zum Abschluss gaben sie ein Orchesterkonzert mit Werken von Gustav Mahler, Alban Berg und Béla Bartók.
ck/Foto: Ritter
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