BAYREUTH. Für großes Erstaunen in der Region hat die Aussage von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in Bayreuth gesorgt, er hoffe, „dass in absehbarer Zeit“ die dieselbetriebenen Intercity-Züge mit Neigetechnik (ICE-TD) wieder eingesetzt werden können.
Sein Parteifreund MdB Hartmut Koschyk (CSU) bremste gestern etwas die Erwartungen. Ramsauer werde alle Optionen in Sachen Eisenbahnzukunft Bayreuths ausloten: Dazu gehöre die Elektrifizierung
der Franken-Sachsen-Magistrale, ein Südbahnhof in Schnabelwaid und der erneute Einsatz der Diesel-ICE. Über die Diesel-ICE werde man aber erst etwas sagen können, wenn die Frage der
Elektrifizierung geklärt ist.
„Die Anbindung an den Fernverkehr hat große wirtschafts- und verkehrspolitische Bedeutung für Bayreuth und die ganze Region. Deshalb würde das Bayerische Verkehrsministerium
die Wiederaufnahme eines Fernverkehrsangebots auf der Strecke Nürnberg-Dresden sehr begrüßen“, erklärte eine Sprecherin. Die Verantwortung für den Fernverkehr liege
allerdings beim Bund.
Grundsätzlich sei es für die Stadt und die ganze Region ein erfreuliches Signal, dass sich der Bundesverkehrsminister klar für die Einbindung Bayreuths in den Schienen-Fernverkehr
ausgesprochen habe, sagte Pressesprecher Joachim Oppold. Was eine eventuelle Rückkehr des Diesel-ICE für die geforderte Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale bedeuten
würde, wann und wie die Züge gegebenenfalls wieder über Bayreuth zum Einsatz kommen könnten – all dies seien derzeit noch offene Fragen. Über diese Dinge werde, wie
von Ramsauer angekündigt, beim Treffen mit Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl im September in Berlin zu sprechen sein.
Keine Signale von der Bahn
Von der Bahn gebe es bislang keine Signale in Sachen Diesel-ICE, ist aus CSU-Kreisen zu hören. Die Bahnzentrale in München wollte die Aussage Ramsauers vor allem auch im Hinblick auf das
angekündigte Spitzengespräch „nicht kommentieren.“
Die Bahn habe wohl wenig Interesse, nochmals in den Diesel-ICE zu investieren, ist aus Eisenbahnkreisen zu hören. Der ist nach offizieller Aussage nämlich zu teuer und nicht
wirtschaftlich zu betreiben. Deshalb werten Insider Ramsauers Aussagen als „Luftblase“ und „Aprilscherz“. Er habe mit seiner Aussage die Bayreuther ruhig halten wollen, wird
vermutet.
„Mir ist nichts bekannt, dass der Diesel-ICE wieder kommen soll“, zeigte sich auch der FDP-Fraktionschef im Landtag, Thomas Hacker aus Bayreuth, überrascht. Auch Horst Friedrich,
der frühere Bundestagsabgeordnete und FDP-Bahnexperte, sprach von einem „schlichten Schaulaufen“. Laut Gesetz müsse der Fernverkehr der Bahn eigenwirtschaftlich geführt
werden; das heißt, die Bahn kann selbst entscheiden, welche Züge sie im Fernverkehr einsetzt.
Bahnkenner halten den Diesel-ICE schlichtweg für eine Fehlkonstruktion. Mit knapp 200 Sitzplätzen sei der Zug wirtschaftlich nicht zu betreiben. Bremsen und Achsen seien für die
kurvenreiche Strecke in der Region zu schwach ausgelegt. Auch die Neigetechnik sei unterdimensioniert.
Bild: Diesel-ICE bei Schnabelwaid. Foto: Gisder
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