BAYREUTH. Wer in den Opernpausen eine Runde ums Festspielhaus dreht, hört es hinter den Kulissen mächtig rumpeln und krachen. In kürzester Zeit muss die Bühne für den nächsten Aufzug umgebaut werden. Verantwortlich dafür ist eine gut eingespielte Crew: ein Haufen starker Männer und mittendrin eine Frau: Tapeziererin Kathrin Schürholz.
Foto: Buchwald
Schwarze Schuhe, schwarzes T-Shirt, schwarze Hose. Am Gürtel wichtige Utensilien wie Handschuhe, Tapezierhammer, Taschenlampe und ein Multifunktionswerkzeug. Aus der Ferne ist die 31-
jährige Günzburgerin nur durch ihre zum Pferdeschwanz gebundenen blonden Haare ausfindig zu machen. Was schon am Outfit deutlich wird, zeigt sich auch in ihrem Arbeitsstil.
Extrawürste will die Tapeziererin nicht – als einziges weibliches Crewmitglied bei den Handwerkern steht sie hinter der Bühne im wahrsten Sinne des Wortes ihren Mann.
Bestes Beispiel: Zu Beginn der Festspiele hat sich Kathrin eine tiefe Schnittwunde am Daumen zugezogen, die sogar genäht werden musste. Die Fäden sind eben erst gezogen, die Narbe noch
deutlich sichtbar, aber das einzige Heinzelmädchen beim Umbau ist hinter den Kulissen schon wieder am Werkeln.
Im „richtigen Leben“ arbeitet die junge Frau in Stuttgart als Beleuchterin bei Musicals. Dort hatte sie einer der Handwerksmeister des Festspielhauses kennengelernt und gefragt, ob sie
nicht einmal bei den Wagner-Festspielen arbeiten wolle. Kathrin wollte. Seit drei Jahren verlegt sie nun am Grünen Hügel Teppiche, platziert Vorhänge und kümmert sich um die
Dekoration. Und wenn es die Zeit erlaubt, hört sie natürlich gerne auch ab und zu einmal zu. Als Absolventin eines musischen Gymnasiums und ehemalige Chorsängerin mag sie klassische
Musik. „Der ,Ring‘ gefällt mir supergut“, verrät sie.
Die Arbeit am Grünen Hügel ermöglicht ihr eine Kombination aus bezahltem und unbezahltem Urlaub. Und auch wenn das mit einer hohen Belastung verbunden ist – bereits jetzt, in
der letzten Woche der Festspiele, hofft sie, dass sie ihr Arbeitgeber auch im nächsten Jahr wieder freistellen wird. Denn neben dem besonderen Flair am Grünen Hügel ist es vor allem
das eingespielte Team, das Kathrin schätzt.
Ab 1. September wird die Beleuchterin wieder Stuttgarts Musicalbühnen ins rechte Licht setzen. Und auch Kathrins Familie und Freunde sind froh, wenn sie wieder zu Hause ist. Und das im
Übrigen auch wegen ihres handwerklichen Geschicks ... sb
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