Nach meinem fast 24 Stunden langen Flug um die Welt mit einem Zwischenstopp
in Bangkok lande ich in Auckland, der größten Stadt Neuseelands. Christopher, der seit Februar hier studiert, holt mich vom Flughafen ab – neben der Passkontrolle muss ich vorher
allerdings noch eine neuseeländische Besonderheit über mich ergehen lassen: die Biosecurity Control. Dafür wird mein Gepäck untersucht und durchleuchtet, auch meine Wanderschuhe
werden überprüft.
Gesucht wird nach offenen Lebensmitteln, Wasser und Erde, in denen fremde Arten nach Neuseeland eingeschleppt werden könnten. Durch sie kann das abgeschlossene Biosystem der Insel empfindlich
aus dem Gleichgewicht gebracht werden – das beste Beispiel dafür sind die eingeführten Ratten und Hunde, die einheimische Arten wie den Kiwi oder die Tuatara-Echse fast
vollständig ausgerottet haben.
Der riesige Ballungsraum Auckland unterteilt sich in die vier Verwaltungsbezirke Auckland City, North Shore City, Waitakere City und Manukau und ist die Heimat von fast einem Drittel der
Neuseeländer, die sich selbst nach ihrem Nationalvogel als „Kiwis“ bezeichnen.
Der internationale Flughafen liegt etwa 20 Kilometer vom Stadtzentrum, dem CBD (Central Business District), entfernt. Dort werde ich mir mit Christopher, Josh aus Tonga und Dian aus Indonesien eine
WG im Railway Campus teilen, dem ehemaligen Bahnhof von Auckland, der 2003 zu einem Appartmenthotel umgebaut wurde. Wegen der Nähe zur Uni leben hier viele Studenten – sie kommen
vorwiegend aus Asien und von den Pazifischen Inseln. Wenn wir in der großen Gemeinschaftsküche Apfelkuchen backen, sind wir umgeben von exotischen Gerüchen und fremden
Sprachen.
Deutsch in Neuseeland
Mein erster Tag in Neuseeland beginnt wie der letzte in Deutschland: Ich gehe in die Uni. Dort bin ich mit Yannick Müllender verabredet, einem Deutschen, der seit eineinhalb Jahren an der
University of Auckland Deutsch unterrichtet. „Erst seit kurzem ist das Erlernen einer Zweitsprache für neuseeländische Schüler Pflicht. Dabei sind die asiatischen Sprachen
besonders beliebt“, erklärt mir Yannick. Da viele Schüler aber europäische Wurzeln haben, wird auch Deutsch immer mehr gelehrt.
„Leider neigen die deutschen Studenten, die hier bei uns in Auckland studieren, dazu, sich im Ausland unsichtbar zu machen: Sie organisieren meist keine Stammtische und Aktivitäten mit
Landsleuten. Das ist sehr schade, da sie außerhalb der Deutschkurse für meine Schüler die einzige Möglichkeit sind, ihr Können praktisch anzuwenden“, sagt er.
An neuseeländischen Universitäten spricht man den Dozenten meist mit Vornamen an, eine Einrichtung wie die Mensa gibt es hier nicht. Stattdessen kaufen die Studenten ihr Essen in Food
Courts: Das sind große Hallen, in denen viele Cafés und Fastfood-Restaurants ihre Produkte anbieten. Da die größte Einwanderergruppe aus Asien stammt, kann man hier auch Sushi
und Reisgerichte bestellen.
Ich stelle mir einen Teller Sushi zusammen und gehe zum Essen in den an das Universitätsgelände angrenzenden victorianischen „Albert Park“, einer grünen Insel zwischen
den Unigebäuden und Hochhäusern des Stadtzentrums. Zwar ist hier gerade tiefster Winter, die Durchschnittstemperatur beträgt allerdings frühlingshafte 11 Grad Plus und
Magnolienbäume, Osterglocken und Märzenbecher beginnen schon zu blühen.
Generation 1.5
Abends treffen wir uns mit Rachel, Chris und seiner Freundin Jenny, um taiwanesischen Pearl Milk Tea zu trinken. Das ist ein Teegetränk mit viel Milch und kleinen, süßen Kugeln aus
Speisestärke.
Unsere drei Gastgeber gehören zur sogenannten „Generation 1.5“ junger Asiaten in Neuseeland: Als Kinder kamen sie auf die Insel, um dort zur Schule zu gehen, Englisch ist deshalb
ihre zweite Muttersprache. Jenny lebt seit ihrem achten Lebensjahr in Neuseeland, jetzt ist sie 20 und studiert BWL an der Universität von Auckland.
„Welcher Kultur fühlst du dich eher zugehörig? Der neuseeländischen oder der taiwanesischen?“ frage ich sie. „Als ich hierher gekommen bin, gab es noch nicht so
viele Asiaten in Auckland. Jeder musste Englisch sprechen, was die Integration extrem erleichtert hat. Jetzt kommen zwar viele Taiwanesen nach Neuseeland, viele sehen aber weiterhin nur
taiwanesische Fernsehsender und hören nur Musik aus ihrer Heimat. Das ist nichts für mich, ich fühle mich Neuseeland viel mehr verbunden und möchte lieber Neuseeländerin
sein. Nach Taiwan fahre ich nur noch einmal im Jahr: Dann besuche ich meine Eltern“.
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