24.08.2010, 12:30 Uhr
BAYREUTH. Erwartungsgemäß schlug die Kurier-Berichterstattung über BT go-Stadtrat Küffners Verkauf zweier Festspielkarten bei eBay hohe Wellen. Während viele Kurier-Online-Nutzer sich in ihren Kommentaren entrüstet zeigten, reagierte nun auch der politische Gegner. Auch Andreas Küffner selbst geht an die Öffentlichkeit und gesteht Fehler ein.
So reagiert der Vorsitzende des Ortsverbandes der FDP Bayreuth, Philipp Irmscher, entsetzt auf die Vorgänge um den BT go – Stadtrat Andreas Küffner: „Das Verhalten von Andreas Küffner ist in jeder Hinsicht inakzeptabel. Es schadet der Würde des Amtes. Anstatt das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen, missbraucht er sein CSU-Tarnmandat und streicht dabei einen Reingewinn von über 1100 Euro ein – das ist verwerflich und hat mich auch persönlich enttäuscht“, schreibt Irmscher in einer Pressemitteilung. So wie er distanziert sich der gesamte Vorstand des Ortsverbandes von Küffners Verhalten. FDP-Stadtrat Dieter Schweingel findet es "bemerkenswert, dass sich die BT go – Führungsspitze innerhalb kürzester Zeit selbst demontiert und offenbar jede Form von politischem Anstand und Mäßigung verloren hat. Bei BT go wird Politik offenbar nicht für den Bürger, sondern für sich selbst gemacht.“
Gote fordert Niederlegung des Mandats
Die Bayreuther FDP fordert Konsequenzen. Das tut die Landtagsabgeordente und Kreisvorsitzende der Bayreuther Grünen ebenso und wird deutlich: "Wählerstimmen gegen Parktickets, Wahlwerbung mit der Patientendatei der Eltern, persönliche Bereicherung durch Schwarzmarkthandel mit Festspielkarten – das ist die Bilanz des Stadtrats Andreas Küffner, jedenfalls das, was öffentlich ist. Das Maß ist voll, Andreas Küffner muss sein Mandat niederlegen!" Laut Gote fügt die Gruppierung BT go nach der Causa Gerhards ein weiteres Kapitel der unrühmlichen kommunalpolitischen Chronik hinzu: "Die Vertreter von BT go im Stadtrat sind ein Schaden für die Kommunalpolitik in unserer Stadt insgesamt. Ohne Unrechtsbewusstsein bedienen sie Klientel, eigene Interessen oder füllen ihren Geldbeutel. Indem sie so tun, als sei dieses Verhalten ganz normal, bringen sie alle ihre Kollegen und Kolleginnen mit in Verruf und fördern Politikverdrossenheit. Schon der Auftritt der Gruppierung auf Bayreuths kommunalpolitischer Plattform als Tarnliste der CSU folgte dem Prinzip tricksen und täuschen." Ulrike Gote erinnert daran, dass beide BT-Go Stadträte auch CSU-Mitglieder sind: „Die CSU in Bayreuth sollte sich sehr genau überlegen, ob in ihren Reihen in Partei und Fraktionsgemeinschaft noch Platz ist für Gerhards und Küffner." Die Grüne Jugend Bayreuth fordert von Küffner, die Einnahmen aus dem Ticketverkauf zur Verfügung zu stellen: "Wir fordern Herrn Küffner auf, um Schaden von Bild der Bayreuther Stadtpolitik abzuwenden, den kompletten Betrag an die Anti-Korruptions-NGO 'Transparency International' zu spenden", erklärt Lisa Haubner, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Bayreuth.
OB Hohl: "Vorgehen des Stadtrats unrichtig und höchst ärgerlich"
CSU-Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl verurteil Küffners Aktion in einer Stellungnahme "aufs Schärfste". Er fordert Küffner auf, "den Erlös seiner Versteigerungsaktion den Bayreuther Festspielen oder der Richard-Wagner-Stipendienstiftung zur Verfügung zu stellen." Weiter will der Oberbürgermeister Küffners Bezugsrecht für den Rest dieser Amtsperiode des Stadtrats sperren lassen. Zudem hat Hohl eine verwaltungsinterne Untersuchung eingeleitet, die klären soll, ob sich aus dem Verhalten des Stadtrats weitere disziplinarische Folgen ergeben.
Küffner gesteht Fehler ein
Auch Andreas Küffner wendet sich mit einer Erklärung zu seinem Vorgehen an die Öffentlichkeit. Darin gesteht er Fehler ein. Aufgrund einer wichtigen privaten Verpflichtung habe er die für 400 Euro gekauften Festspielkarten in diesem Jahr nicht wahrnehmen können und kurzfristig für einen Euro auf der Online-Plattform ebay zu Versteigerung eingestellt, erklärt der Stadtrat. "Dieses Vorgehen alleine war unsensibel und falsch und ich muss rückblickend erkennen, dass ich nicht den richtigen Weg gewählt habe, um die Karten zu vergeben", gesteht Küffner.
"Die Verkaufssumme beläuft sich auf 1.509,- €. Es war nie meine Absicht, Gewinn aus dem Verkauf der Festspielkarten zu erzielen oder mich persönlich zu bereichern. Ich habe mich daher entschieden, die volle Summe (vorbehaltlich des Geldeingangs aus der Auktion) zu spenden. Je 50% der Summe sollen an die Richard-Wagner-Stipendienstiftung sowie an das Albert-Schweitzer-Hospiz in Bayreuth gehen", so Küffner weiter.
Dies soll Ausdruck seines Bedauerns gegenüber den Bayreuther Festspielen sein. In seiner Mitteilung zeigt Küffner Reue: "Mein Vorgehen tut mir leid und ich möchte mich öffentlich hierfür in aller Form entschuldigen, insbesondere bei den Leiterinnen der Bayreuther Festspiele und bei allen, bei denen Verärgerung hervorgerufen wurde."
dif
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