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23.08.2010, 15:40 Uhr

 

Zukunft von Schlingensief-Projekten offen - Oper kommt

BAYREUTH. Der Tod von Regisseur Christoph Schlingensief reißt in der Kulturwelt eine große Lücke, die Zukunft mehrerer Projekte ist offen. Vor allem die Gestaltung des Deutschen Biennale-Pavillons 2011 in Venedig ist unklar. Die Uraufführung der Oper "Metanoia" bei der Berliner Staatsoper Unter den Linden soll aber wie geplant am 3. Oktober stattfinden.

 

Trauer und Bestürzung über den Tod des großen Theatermachers hielten am Montag an. Zu Ort und Zeit der Beerdigung gab es zunächst weiter keine Informationen. Schlingensief wolle im kleinsten Familienkreis beigesetzt werden, hieß es bei Freunden. Auch über das zum Abschied geplante Theaterfest waren keine Einzelheiten zu erfahren. Der gebürtige Oberhausener, einer der innovativsten Film- und Theaterregisseure der Gegenwart, war am Samstag in Berlin mit 49 Jahren an Lungenkrebs gestorben.

Für die Uraufführung von Jens Joneleits "Metanoia" sollten am Montag, zwei Tage nach seinem Tod, die szenischen Proben beginnen. "Das wäre sein Part gewesen", sagte ein Sprecher der Staatsoper. Dennoch bleibe es wie geplant bei einer szenischen Aufführung. Im Laufe der Woche werde geklärt, wie das zu stemmen sei. Die Uraufführung soll die neue Spielzeit der Oper im Ausweichquartier im Schillertheater eröffnen. Das Haus der Staatsoper wird derzeit umgebaut.

Zur Überraschung der Kunstwelt war Schlingensief im Mai auch die Gestaltung des deutschen Pavillons für die 54. Biennale in Venedig übertragen worden. Er habe mit großem Enthusiasmus bereits eine Vielzahl von Themen und Details entwickelt, teilte Pavillon-Kuratorin Susanne Gaensheimer vom Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Montag mit. In den kommenden Wochen werde geprüft, ob Ideen des Künstlers umgesetzt werden könnten.

Gaensheimer hatte Schlingensief um die Gestaltung gebeten. "Wir wussten um das Risiko", sagte Museumssprecherin Christina Henneke der dpa. Es habe aber nie einen "Plan B" gegeben. An einer Vorstellung des Konzepts Anfang Juli in Frankfurt am Main hatte Schlingensief schon nicht mehr teilnehmen können. Auch eine Produktion für die Ruhrtriennale ("S.M.A.S.H. - In Hilfe ersticken") musste er bereits vor Wochen absagen. "Die Lücke bleibt", so ein Sprecher des Kunstfestes.

Das Goethe-Institut sagte unterdessen weitere Hilfe für Schlingensiefs Herzensprojekt - den Aufbau eines Operndorfes in Afrika - zu. Institutspräsident Klaus-Dieter Lehmann sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Es war faszinierend zu sehen, wie das Projekt ihm Mut und Energie gab und diese sich auf seine Umgebung übertrug. Diese Energie soll fortleben."    Auch das Goethe-Institut hat mit Schlingensief nach den Worten Lehmanns einen engen Freund verloren. "Für mich war er, der an beiden Enden der Kerze brannte, einer der glaubhaftesten Künstler", sagte der Präsident. Für das Operndorf war im Februar in Ouagadougou in Burkina Faso der Grundstein gelegt worden. Lehmann versicherte, sein Haus werde das Produktionsteam weiter dabei unterstützen, das Projekt voranzutreiben. Die Familie bittet statt Blumen und Kränzen um Spenden für das Operndorf.

Die Memoiren des Künstlers sind nach Auskunft seines Verlags fast fertig. Kiepenheuer & Witsch-Sprecherin Gudrun Fähndrich sagte auf Anfrage, das Manuskript liege vor. Der genaue Erscheinungstermin sei aber noch offen. Der Band sollte ursprünglich am 23. September erscheinen - einen Monat vor dem 50. Geburtstag Schlingensiefs am 24. Oktober. Kiepenheuer & Witsch hatte jedoch schon im Juli mitgeteilt, der Termin sei verschoben. Ein Grund wurde damals nicht genannt.

Innerhalb eines Tages gaben am Montag fast 2000 Menschen in einem Online-Kondolenzbuch ihrer Trauer über den Tod Ausdruck. "Du lebst in den Herzen vieler Menschen weiter", schrieb etwa Christian Bollay aus Weilheim auf Schlingensiefs Homepage. Und eine Beate aus dem Ruhrpott fragte: "Muss man zwischen den Sternen eigentlich mitmischen oder guckt man sich die Inszenierung einfach an? Christoph Schlingensief, der kreative Kopp, zieht leuchtende Spuren hinter sich her."

dpa



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