BAYREUTH. Kann die Staatsangehörigkeit über die Bildungschancen entscheiden? Das Kultusministerium sagt ja: „Der Prozentsatz der Schüler mit Migrationshintergrund, die die Fachhochschulreife oder Hochschulreife erreichen, ist viel zu niedrig.“
Deswegen gibt es spezielle Hilfe und deswegen gibt es das Programm „Talent im Land Bayern“'. In der Tat ist die Zahl der ausländischen Abiturienten noch recht überschaubar: In
Bayreuth werden 682 Köpfe fürs Schuljahr 2009/2010 gezählt, die ohne deutschen Pass in die Schule gehen.
Unter denen, die im Schuljahr 2008/2009 die Schule beendeten, waren aber gerade mal elf Ausländerkinder, die das Abitur machten. 3,9 Prozent der rund 17 500 Schülerinnen und Schüler
in Bayreuth haben derzeit eine ausländische Staatsangehörigkeit. Ihre Zahl ist damit verglichen mit dem Schuljahr 2003/2004 um 79 gesunken.
Für ausländische Schüler heißt es im Moment meistens Bildungsziel Hauptschule und bestenfalls dann von dort aus über die berufliche Bildung weiter: 13,8 Prozent aller
Schülerinnen und Schüler in der Hauptschule haben keinen deutschen Pass.
Nicht allein Intelligenz
In der Grundschule beträgt der Ausländeranteil noch 6,0 Prozent, was darauf hindeutet, dass hier nicht nur die Intelligenz eine Rolle beim weiteren Schulweg spielt.
In der Realschule stellen ausländische Jungen und Mädchen 59 Schüler, das entspricht 3,5 Prozent. Im Gymnasium haben 147 Kinder und Jugendliche keinen deutschen Pass, macht 2,9
Prozent.
Sabine Kirsch und Gabriele Westermayer von der Staatlichen Schulberatung München fassen den aktuellen Stand der Erkenntnisse zu diesem Thema so zusammen: „Erfahrungen aus der Schulpraxis
und die Erkenntnisse aus der PISA-Studie belegen, dass Schüler mit Migrationshintergrund weniger Chancen haben, ihre Schullaufbahn erfolgreich zu gestalten, als Schüler ohne
Migrationshintergrund“. Das neue Schuljahr wird jetzt zeigen, ob der Versuch im Kindergarten der Entwicklung gegenzusteuern Früchte trägt: Kinder, die zum Schuljahr 2010/11
schulpflichtig wurden, mussten zwischen September und Februar 2008 an der Sprachstandserhebung teilnehmen, um bei Bedarf bereits im zweiten Halbjahr ab März 2009 mit zwei Stunden pro Woche in
ihrer Kindertagesstätte gefördert werden zu können.
Startchancen verbessern
In ihrem letzten Kindergartenjahr 2009/10 wurden diese Kinder mit insgesamt fünf Stunden im Vorkurs gefördert. Jetzt müssten ihre Startchancen in der Grundschule besser sein und
damit auch die Chancen, auf die Realschule oder das Gymnasium zu kommen. red
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