22.08.2010, 15:26 Uhr
Christoph, Freund, Du bist nicht mehr
BAYREUTH/BERLIN. In der Berliner Zeitung BZ hat die Bayreuther Festspielleiterin Katharina Wagner mit einem persönlichen Schreiben auf den Tod ihres Freundes Christoph Schlingensief reagiert. „Mein Herz sank“, schreibt sie, als sie während des Public Viewing der „Walküre“ die traurige Nachricht erhielt.
„Du hast gekämpft, so gekämpft gegen diese Krankheit, die deinen Körper fraß. Du warst eine brennende Fackel zum Schluss, Deine Augen loderten, Du wolltest leben.“ Foto: Gulda
„Christoph, Freund, du bist nicht mehr.“: Mit diesen Worten beginnt die Festspielleiterin, die Schlingensief als Regisseur des „Parsifal“ jahrelang auf dem Grünen
Hügel erlebte, ihren persönlich an den 49-Jährigen gerichteten Abschiedsbrief. „Du hast gekämpft, so gekämpft gegen diese Krankheit, die deinen Körper fraß.
Du warst eine brennende Fackel zum Schluss, Deine Augen loderten, Du wolltest leben.“
Sie erinnert sich an die Zeit, als sie sich bei Gesprächen über die Konditionen seines Bayreuth-Engagements in Berlin kennenlernten. „Mein Vater sagte, der Junge kann was, der muss
kommen.“
Schlingensiefs „Parsifal“-Inszenierung stand von 2004 bis 2007 auf dem Spielplan der Festspiele. „Es war großartig, Deinen Probenprozess zu begleiten, Deine Inspiration
berührte uns alle“, so Katharina Wagner. Von seiner Krankheit hat damals noch niemand etwas geahnt. Sie erwähnt auch gemeinsame Pläne für die Zukunft. Sie habe
Schlingensief angeboten, 2013 eines der Wagner-Frühwerke zu inszenieren. „Welches Du dir ausgesucht hättest? Weiß nicht, wir konnten das nicht mehr ausdiskutieren.“
Katharina Wagners Brief endet: „Wenn ich dich vor mir sehe, sehe ich die wilden Haare, das Genialische, Springteufelmäßig-Manische und freue mich, dass ich dich kennen und begleiten
durfte. Ich bin kein Mensch, der leicht weint. Aber wenn du gehst, Freund, dann weint meine Seele. Mach’s gut, Christoph!“
mar
STIMMEN ZUM TOD VON SCHLINGENSIEF
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