20.08.2010, 15:17 Uhr
Von Felix Reichstein
BAYREUTH/PASSAU. Seit dem 1. August sind Bayerns Gaststätten rauchfrei – per Gesetz, das strengste in ganz Deutschland. Nichtraucher-Aktivist Sebastian Frankenberger ist seitdem in Bierzelten und Kneipen unerwünscht: der 28-Jährige wird immer wieder massiv beschimpft. Bayreuths Gastronomen haben das Rauchverbot weitgehend ohne Probleme umgesetzt. Doch es droht neuer Ärger.

Die bayerische Bevölkerung hatte sich in einem Volksentscheid Anfang Juli für ein striktes Rauchverbot in der Gastronomie entschieden. Auch Raucherclubs sind demnach verboten. Bayreuth ist jetzt weitgehend qualmfrei: Im Miamiam Glouglou, das französische Ess- und Trinklokal in der Innenstadt, hat man das Nichtraucherschutzgesetz reibungslos umgesetzt. „Wir haben am 1. August die Aschenbecher im Innenraum entfernt. Und darüber hat sich kein Gast aufgeregt“, sagt Miamiam-Mitarbeiter Christian Parchent zum Kurier. Auch die Raucher unter den Stammgäste würden weiterhin zum Franzosen kommen, meint der Angestellte.
Lärm wird zum Problem
Parchent ist zudem Inhaber des Nachtclubs Suite unweit der Stadtkirche. Auch dort habe man das Rauchverbot ohne Probleme eingeführt, sagt er. „Wir haben im Außenbereich einige Aschenbecher aufgestellt. Und das wurde akzeptiert.“ Wie das die Nachbarn finden werde sich aber noch zeigen, gibt der Suite-Chef zu bedenken.
Die Lärmbelastung ist gerade für die Cocktailbar Borracho ein großes Problem. Borracho-Chef Wolfgang Fiebich: „Unser Publikum besteht zu 80 Prozent aus Rauchern. Und die können wir nicht einfach vor die Tür stellen.“ Der hauseigene Innenhof sei für eine Raucherecke zu klein. Da hätten es andere Gastronomiebetriebe leichter, so Fiebich. Und deshalb sei das Gesetz „für uns schwierig umzusetzen – wegen der Lärmbelastung“. Das sieht Sophies Danceclub-Chef Gerd Herold ähnlich: „Dieses Problem gibt es auch bei uns. Und deshalb muss schon mal das Security-Personal in der Sophienstraße um Ruhe bitten.“ Ansonsten gebe es kaum Schwierigkeiten. Rauchfrei sei das Sophies ohnehin schon seit zwei Jahren. Das neue Gesetz habe daran nichts geändert, fügt Herold hinzu. Der Hotel- und Gaststättenverband Bayreuth war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Sebastian Frankenberger ist der Initiator des Volksbegehrens „Für echten Nichtraucherschutz!“, das mit einer Mehrheit von 61 Prozent das Nichtrauchergesetz der Regierung gekippt hat. Der Mann mit der langen braunen Mähne kann nach eigener Aussage tagsüber ohne Angst ins Wirtshaus gehen. Denn wenn die Sonne scheint, sind die Raucher friedlich. Aber nachts, wenn der Alkohol fließt, werde es eng für Frankenberger: "Vor allem vor Szenekneipen in Passau kann ich mich nicht mehr blicken lassen. In München schon gar nicht. Da werden mir viele Kraftausdrücke hinterhergerufen. Und ich wurde auch schon mal mit Zigarettenstummeln beworfen.“
Wiesn-Besuch mit Bodyguards
Dem Jungstadtrat der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) sei zwar klar gewesen, dass das Thema sehr polarisiert. Aber mit diesen Pöbeleien, auch im Onlinenetzwerk Facebook (der Kurier berichtete), habe er nicht gerechnet. Aus diesem Grund überlege der 28-Jährige rund einen Monat vor dem traditionellen "O'zapft is" noch stark, ob er das Münchner Oktoberfest besuchen werde. Auch auf der Wiesn, die heuer zum 177. Mal stattfindet, gilt erstmals das absolute Rauchverbot. „Ich habe eine Einladung zum Schichtl (ein Kuriositäten-Theater, Anm. d. Red) und es wäre schon schade, wenn ich da nicht hingehen könnte. Ich gehe – wenn überhaupt – nur in Begleitung, die meine Sicherheit garantiert.“ Ein Wiesn-Besuch mit Bodyguards. Locker und lässig ist das nicht.
Das Gesetz vom 1. August wertet Frankenberger dennoch als Erfolg, es habe sich binnen kurzer Zeit bei den Menschen gut eingespielt, meint der Nichtraucher-Aktivist. Hier und da gebe es zwar Überlegungen spezielle Raucherklubs zu gründen. „Aber die Ordnungsämter kontrollieren da relativ gut. Ich bin mir sicher, dass es in zwei bis drei Monaten nur noch vereinzelt Probleme geben wird.“ In öffentlichen Verkehrsmitteln oder am Arbeitsplatz sei das ja auch schnell akzeptiert worden. Zum Rauchverbot in der Gastronomie könne man insgesamt sagen: „Nichtrauchen ist das Normale geworden.“
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