17.08.2010, 16:27 Uhr
BAYREUTH. Erst zu viel Hitze, nun zu viel Wasser: Das Wetter schlägt Kapriolen wie schon lange nicht mehr. Die Landwirte raufen sich die Haare. BBV-Geschäftsführer Gerhard List angesichts des nicht enden wollenden Regens: „Die Stimmung unter den Bauern ist äußerst schlecht“.
„Erfroren, verdorrt und verfault“, fasst der Geschäftsführer des Bauernverbands das Erntejahr 2010 zusammen. Nach der Kälte im Frühjahr folgte die Hitze im Juni
und Juli und nun diese Niederschläge. „Die Landwirte stehen in den Startlöchern, aber sie können nichts machen“, so List.
Nach Angaben von Volker Loch, dem Leiter der Abteilung Bildung und Beratung am Amt für Landwirtschaft, überstieg die Niederschlagsmenge der ersten Augusthälfte bereits den
Monatsdurchschnitt um mehr als das dreifache.
Wo sonst durchschnittlich 30 bis 35 Liter auf den Quadratmeter fielen, regnete es in den vergangenen zwei Wochen schon 130 Liter pro Quadratmeter. Gemessen wird an Wetterstationen in
Aufseß, Mistelbach und Würnsreuth, so Loch.
Die Ernte säuft ab. Die heißen Tagen im Juni und Juli hätten die Erträge zwar beeinflusst, dennoch hätte das Getreide vernünftig geerntet werden können.
Doch das ist jetzt unmöglich. Wie BBV-Geschäftsführer List die Situation beschreibt, stehe bei Betzenstein im südlichen Landkreis noch Sommergerste, Hafer, Weizen, Roggen und
Mais. Die Gerste breche zusammen und werde sich kaum noch mit der Maschine mähen lassen.
Im nördlichen Landkreis bei Gefrees stünde außerdem noch Raps, der auswachse, wodurch der Ölgehalt sinke. Im Raum Bayreuth sei der Backweizen bis auf ein Drittel geerntet,
doch auch dort wachse der Raps aus. In allen Bereichen des Landkreises habe das Getreide während der vergangenen Tage zu viel Nässe aufgesogen: „Wo das Korn normalerweise zehn bis
elf Prozent Feuchtigkeit enthält, haben wir nun 17 bis 22 Prozent.
Das ist einfach zu nass und bringt die Landwirt in Schwierigkeiten. Ihr Getreide eignet sich dann nur noch als Futtergetreide. Soll es längerfristig gelagert werden, muss es auf kostspielige
Weise zuvor getrocknet werden.
Ein weiteres Problem: Die Nässe verschiebt den ganzen Kulturzyklus und wird sich auch auf die Ernte 2011 auswirken, wie List sagt. Denn weil die Böden zu weich sind, verschiebt sich
nicht nur die Ernte. Es verzögert sich auch die anstehende Aussaat des Rapses für das nächste Jahr, denn der Boden wird seine Zeit brauchen, um zu trocknen.
„Ob die Preise steigen, wird die Zukunft steigen“, sagt der BBV-Geschäftsführer. Beim Futtergetreide gebe es gegenwärtig ein gehobenes Preisniveau. Was mit dem Preis
des Backgetreides geschehe, richte sich nach dem Weltmarktpreis.
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