Wenn zehntausende Gummistiefelträger trotz nasskalten Wetters auf einer Schlammwüste tanzen, als ob es kein Morgen gäbe – dann ist man auf einem Festival. So sah es auf dem Taubertal-Festival aus, das heuer zum 15. Mal in Rothenburg ob der Tauber über die Bühne ging. Aus Bayreuther Sicht war die Jubiläumsauflage des Freiluftspektakels besonders interessant: Die Band Waste spielte am Samstag auf der Nebenbühne.
Rechts der Fluss, links der Wald, auf dem Berg die Rothenburger Altstadt. Was eher nach Umgebung für einen Familienspaziergang klingt, wird einmal im Jahr Kulisse des Taubertal-Festivals.
Heuer feierte es seinen 15. Geburtstag. Am Freitag eröffneten die Donots das Feier-Wochenende. Ärzte-Drummer Bela B. mit seiner Band, die sozialkritischen Spanier von Ska-P und am
späten Freitag Fettes Brot begeistern auf der Mainstage die Fans. Obwohl die eigentlich kaum Grund zum Feiern hatten: Die Zufahrtswege waren im Taubertal mal wieder das Nadelöhr und da
die Parkplätze vollständig regendurchweicht waren, musste jedes Auto einzeln per Traktor draufgeschleppt werden: Stundenlagen Wartezeiten und nasse Füße vorprogrammiert.
Am Samstag meinte es das Wetter zwar gut mit dem Festival und die Sonne schien. Aber die Böden waren aufgeweicht und das blieben sie auch. Gefeiert wurde trotzdem! Auf der Hauptbühne gab
es an Tag zwei Balkan-Rock von Shantel, die mit Geigen und Blasinstrumenten Tanzbares und Ohrwurmverdächtiges produzieren. Danach zeigten die Punkrock-Urväter von Bad Religion, dass auch
wer spießig genug aussieht um Mathelehrer zu sein, wütende Hymnen grölen kann. Wie ein Derwisch fegte die kahlköpfige Sängerin Skin der Crossover-Band Skunk Anansie
später über die Bühne und zum Schluss boten Jan Delay und Disko No. 1 mit Funk Kontrastprogramm zum Hüften schütteln.
Am Sonntag kam die bestangezogenste Band der Welt auf die Hauptbühne: The Hives aus Schweden feierten sich und ließen sich feiern. „Do you love us?“ fragte Sänger
Howlin’ Pelle Almqvist und quittierte das frenetische Kreischen lapidar mit: „I know.“
Headliner am Sonntag und als Live-Legenden sehnlich erwartet waren The Prodigy. Breakbeats, wirre Gitarrenriffs, Stroboskoplicht und die Performance der Frontmänner Keith Flint und Keith
Palmer animierten die 12 000 vor der Bühne zum ausrasten.
Bayreuther auf
der Nebenbühne
Die Nebenbühne „Sounds for Nature Stage“ hat ihren Namen von einer Kooperation mit dem Bundesamt für Naturschutz – schließlich wird mitten im Naturschutzgebiet
gerockt. Schon seit Jahren wird auf dieser Bühne das Finale des weltweit renommierten Bandwettbewerbs Emergenza ausgetragen. Diesmal mit Bayreuther Beteiligung. Steffen (Gesang und Keyboard),
Benni (Schlagzeug), Landi (Bass) und Horny (Gitarre) spielten sich über das Regionalfinale, das Bayerische und das Deutsche Finale bis in die Gruppe der 16 besten Bands. Und präsentierten
am Samstag eine halbe Stunde lang ihren Funky Rock der Jury und vor allem dem Taubertal-Publikum. „Ich weiß, es ist noch früh. Aber die Sonne scheint und ich hoffe, dass ihr alle
eure Ärsche ein bisschen für uns bewegt“, rief Steffen von der Bühne. Und tatsächlich: Der gesungenen Aufforderung „Get down on your knees“ folgte das
Publikum.
Mit dabei waren unter anderem Bands aus Russland, Australien, Frankreich und USA. Sie spielten alle ganz unterschiedliche Musik, von Hip-Hop bis Metal.
Am Sonntag verkündete die Jury das Ergebnis: Waste konnte sich leider nicht unter den ersten Dreien platzieren. Den Titel Beste Band der Welt, und damit die Möglichkeit, professionell ein
Album zu produzieren, durfte Hanatochiruran aus Japan mit nach Hause nehmen. Gleich im Anschluss rockten die vier Japaner die Mainstage. Als bester Sänger ausgezeichnet wurde Steffen von
Waste. Und das, obwohl er nach eigenem Bekunden gar nicht in Bestform war. Als Preis gab es ein hochwertiges Mikrofon-Set.
Dem Sieg trauern die vier Jungs von Waste nicht wirklich hinterher. Stattdessen überwiegt die Freude über den Taubertal-Auftritt und dem Konzert, das die Jungs auf dem Sziget-Festival
spielen durften. Das Open-Air in Budapest ist eines der größten in Europa. Zu dieser Ehre kam Waste auch über den Emergenza-Wettbewerb. „Man ist natürlich schon stolz,
auf dem gleichen Festival zu spielen wie Jan Delay und so“, sagt Landi im x-bay-Interview. Auch wenn sie nicht im gleichen Backstage-Bereich waren wie „die Großen“: Immerhin
haben Horny und Benni den Bassisten und den Tourmanager von Disko No. 1 getroffen.
Neues Waste-Album noch dieses Jahr
Von den Stars kann man, erzählen die Jungs, vor allem lernen, wie man sich auf der Bühne verhalten muss, um die Massen zu animieren. An den Plänen, weiter an der Musik-Karriere zu
arbeiten, hat sich nämlich nichts geändert. „Durch den Wettbewerb konnten wir total viele Kontakte knüpfen und coole Auftritte bekommen“, sagt Steffen. Darauf kann man
aufbauen. Die Vier setzen alles daran, sich weiterzuentwickeln, bekannter zu werden, sich den Traum zu erfüllen. In nächster Zeit spielen sie mehrere Konzerte, noch in diesem Jahr soll
ein neues Album erscheinen. Horny: „Wenn wir dran bleiben und es so weiter geht wie im Moment“, sagt Horny. „Dann könnte es sogar klappen.“
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