16.08.2010, 12:29 Uhr
BAYREUTH/PEGNITZ. Zum Genuss gehört nicht nur ausgezeichnetes Essen. Auch der Service muss stimmen. Um den Nachwuchs müsse man sich keine Sorgen machen, ist Renate Kaiser von der Hotelfachschule Pegnitz überzeugt.
Dem demografischen Wandel zum Trotz: Noch gebe es genügend junge Leute, die ihre berufliche Zukunft in der Gastronomie sehen. Leicht sei es aber nicht. Schließlich habe die Gastronomie mit Nachteilen aufzuwarten.
Die gravierendsten seien die Arbeitszeiten und das relativ niedrige Gehalt. Gegen Letzteres lasse sich mit besseren Tarifabschlüssen zwar angehen, das würde aber auch bedeuten, dass die Gastronomen höhere Preise verlangen müssten. Möglicherweise beißt sich die Katze hier in den Schwanz ...
Renate Kaiser legt großen Wert darauf, dass gerade im Service die Qualität passt, das Personal also auch entsprechend geschult werde. Das sei unerlässlich, wenn man für sich in Anspruch nehme, Genussregion zu sein. Doch die Gastronomie habe mit Vorurteilen und schwarzen Schafen zu kämpfen. „Wer nichts wird, wird Wirt“ – dieser Spruch habe leider noch seine Berechtigung, ist Renate Kaiser überzeugt.
Dringender Handlungsbedarf
So lange jeder ein Gasthaus aufmachen darf, werde sich am Image nichts ändern, die Gastronomie bräuchte, ähnlich wie im Handwerk auch, eine Art Meisterbrief, der zum Führen eines Gastronomiebetriebes befähige. Nichts gegen Aushilfskräfte! Die wären notwendig, wenn bei großen Veranstaltungen viele Hände gebraucht werden, versichert Renate Kaiser.
Doch in guten Betrieben sind ausgebildete Servicekräfte Pflicht. Wissen sie doch, wie fachlich richtig serviert wird, können den Gast bei Fragen rund um Wein und Speisen richtig beraten. Dazu käme, dass sie Sozialkompetenz besäßen, teamfähig seien und um den rechten Umgang mit Gästen wüssten.
Der Einstieg in die Gastronomie ist leicht. Ob Hauptschulabschluss oder Abitur – jeder Bildungsabschluss sei hier gern gesehen. Mindestens 16 Jahre alt sollte ein Bewerber aber sein – sonst gebe es Probleme mit dem Jugendarbeitsschutzgesetz. Nach dem dürfen Jugendliche nachts nicht arbeiten – was aber, wenn eine Hochzeitsgesellschaft gerade beim Dessert ist, das Servicepersonal aber nach Hause gehen muss?
Dienstleister
Voraussetzung für jeden Jugendlichen, der in der Gastronomie arbeiten will, sei der Spaß an Dienstleistung. Man müsse für andere gerne etwas tun wollen, nur dann sei dieser Beruf der richtige. Und: Auch wenn das Image nicht das Beste sei, die Aufstiegschancen in der Gastronomie wären gut, sagt Kaiser. Wer nach der Ausbildung in guten Betrieben arbeitet und eine Fachschule besucht hat, kann es an die Führungsspitze in Hotels und Gaststätten schaffen.
Allerdings: Die Chance auf Karriere sei gerade in Oberfranken gering, es gebe hier einfach zu wenig entsprechende Stellen. Durch die oberfränkische Struktur – kleine, oft familiär geführte Betriebe – werden häufig nur wenig qualifizierte Mitarbeiter gebraucht.
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