09.08.2010, 11:00 Uhr
BAYREUTH. Sie stören den Unterricht massiv, fehlen unentschuldigt und haben schlicht keinen Bock auf Schule. Sie erfüllen mit Ach und Krach die Schulpflicht, erreichen jedoch keinen Schulabschluss. In der Stadt Bayreuth beendeten im Sommer 2009 75 Jugendliche ihre Schulzeit, ohne einen Hauptschulabschluss in der Tasche zu haben. Gemessen an den 1627 Absolventen einer Hauptschule, einer Realschule oder eines Gymnasiums waren das rund 4,6 Prozent aller Schulabgänger.
Die Quote der Schüler ohne Abschluss hat sich somit leicht verringert. Denn im Sommer 2008 lag sie noch bei 5,6 Prozent. Mit diesem Rückgang lag die Stadt Bayreuth bayernweit im Trend.
Aus der Schulstatistik des Landesamts für Statistik geht hervor, dass an allgemeinbildenden Schulen die bayernweite Quote der Abgänger ohne Schulabschluss am Schuljahresende 2009 rund
4,7 Prozent betrug, ein Jahr zuvor dagegen noch 5,1 Prozent.
Allerdings hat die Statistik einen Haken. Tatsächlich sind nicht alle 75, die keinen Hauptschulabschluss erreicht haben, die beschriebenen Schulverweigerer. Denn in der statistischen Zahl
sind auch Sonderschüler enthalten, die ihren speziellen Abschluss erfolgreich absolviert haben, aber nie einen Hauptschulabschluss anstreben konnten. Bayernweit waren im Sommer 2009 von rund
8000 Schülern ohne Abschluss etwa die Hälfte Förderschüler.
Manche kriegen noch die Kurve, andere nicht
Schulabbrecher sind ein Problem. Pädagogen sehen die Ursachen im häuslichen Umfeld: Die Jugendlichen haben Versagensängste, sehen keine Perspektiven für die Zukunft und leben
ihre Null-Bock-Einstellung aus. Die Eltern schreiben brav Entschuldigungen, Lehrer sammeln meist nur Einträge ins Klassenbuch. Manche Schüler kriegen irgendwann noch die Kurve, andere
erreichen keinen Schulabschluss. Die schlechteste Ausgangsbasis in Zeiten, in denen eine hohe Qualifizierung immer wichtiger wird. Am Ende steht für sie ein Leben als Hilfsarbeiter oder
Hartz-IV-Empfänger.
Der durchschnittliche Schulverweigerer in Bayern ist männlich und überwiegend deutscher Herkunft. In der Stadt Bayreuth waren 51 von 75 Abgängern ohne Abschlusszeugnis
männlich, was einer Quote von rund 68 Prozent entspricht. Der Ausländeranteil lag mit elf Jugendlichen bei 15 Prozent.
Der neue Bildungsbericht von Bund und Ländern mit dem Titel „Bildung in Deutschland 2010“ offenbart, dass fast jeder dritte Schüler mittlerweile in einer „sozialen,
finanziellen oder kulturellen Risikolage“ aufwächst. Sprich, die Eltern verfügen über ein geringes Familieneinkommen, gehen keiner Beschäftigung nach oder haben selbst
keine abgeschlossene Berufsausbildung oder nur eine geringe Schulbildung.
Vom Ziel, die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss zu halbieren, sind Bund und Länder noch weit entfernt. Von 8,5 Prozent im Jahr 2004 auf rund sieben Prozent im Jahr 2008
schrumpfte die Zahl bisher. Doch sind das laut Statistik immer noch rund 64 400 bundesweit, deren Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt miserabel sind.
zds/Symbolbild: Archiv
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