BAYREUTH. Es war die erste Lesung im Rahmen einer Bayreuther Sommeruniversität für Interkulturelle Deutsch-Studien – und gelungener hätte die Premiere kaum ausfallen können. Feridun Zaimoglu, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren in Deutschland, las am Donnerstagabend im Theaterraum des Audimax aus seinem Buch „Liebesbrand“. Er ließ sich tief in die Seele schauen.
Er machte die erste Lesung einer Bayreuther Sommeruniversität zu einem Erlebnis: Feridun Zaimoglu las aus seinem Buch „Liebesbrand“.
Vielleicht hat er sich das Image mit seinem Erstling „Kanak Sprak“ eingehandelt. Als „harten Brocken“ der deutschen Literatur-Szene hatten ihn Kenner und Kritiker der
deutschen Literaturlandschaft eine ganze Weile gesehen. Bei seinem Auftritt in Bayreuth zeigte sich Zaimoglu von einer ganz anderen Seite: intensiv und feinfühlig in der Sprache, emotional in
seinen Geschichten, eindringlich in seinem Vortrag. In „Liebesbrand“ ist Zaimoglu der Mann, der nach einem Verkehrsunfall (den er übrigens tatsächlich erlitt) seine Retterin
sucht und findet. Und er ist auch der Mann, der bei einem Besuch in Prag die beiden Leben seiner Fremdenführerin kennenlernt. Was er schreibt, handelt vor allem von starken, von
bewundernswerten Frauen. Zaimoglu, ein Romantiker.
Verlangen als Motiv deutscher Romantik
Auch wenn es danach klingen mag, kitschig wird Zaimoglu an keiner Stelle. Die „großartige Liebe zwischen Mann und Frau“ habe er in „Liebesbrand“, einer fürwahr
klassischen Liebesgeschichte, beschreiben wollen, sagte der Autor im Intro zu seiner Lesung. Verlangen sei für ihn eines der Motive der deutschen Romantik, Traum und dunkler Nebel die anderen.
Durchaus in der Tradition der Romantik arbeitet er der Vollendung einer Trilogie entgegen: „Liebesbrand“ steht für Verlangen, sein neues Werk „Hinterland“ für
Traum. Und das Buch, für das er gerade recherchiert, wird den dunklen Nebel als Motiv haben.
Wenn man Zaimoglu liest, besser noch hört und weiß, dass er inzwischen 13 Bücher veröffentlicht hat, mag man es so recht nicht glauben: Schreiben, sagt er im Gespräch mit
Teilnehmern der Bayreuther Sommeruniversität, sei für ihn „sehr hart“. Eigentlich wäre er gerne Maler geworden. Fürs Schreiben brauche es Vorbereitung, Recherche und
hohe Konzentration. Und es kann schief gehen, wie sich für Zaimoglu bei seinem Buch „German Amok“ schon gezeigt hat. Für „German Amok“ hagelte es bittere
Rezension, schlimmer noch: Die Leser mochten das Buch nicht. Er fühle sich deshalb aber keineswegs als unverstandener Künstler. „Wenn man schreibt, muss man wohl ein idealistischer
Idiot sein“, sagt Zaimoglu. „Ein Kindskopf, der Lust hat, zu spielen und keine Angst davor, dass es jederzeit aufhören kann.“
Zur Person:
Feridun Zaimoglu wurde 1964 in der Türkei geboren und kam mit vier Monaten nach Deutschland. Mit seinem ersten Buch „Kanak Sprak“ machte Zaimoglu den Jargon junger
türkischstämmiger Deutscher literaturfähig. 2006 veröffentlichte er den Roman „Leyla“ und erntete begeisterte Kritiken. Zaimoglu wehrt sich immer wieder gegen die
negative Berichterstattung der Medien über Integrationsfragen. Zur Islamkonferenz 2007 räumte er spektakulär seinen Teilnehmer-Platz für eine Repräsentantin der Kopftuch
tragenden Musliminnen.
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